Wenn du eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus besitzt, bist du nicht nur Eigentümer deiner eigenen vier Wände - du bist auch Mitglied einer Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft heißt Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG). Und genau hier liegt der Knackpunkt: Was du darfst, was du musst und was du nicht ignorieren kannst, ist im Wohnungseigentumsgesetz (WEG) genau geregelt. Seit der WEG-Reform 2020 gelten neue Regeln, die viele Eigentümer noch nicht richtig verstehen. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern um deine Rechte - und deine Pflichten.
Die WEG-Verwaltung ist nicht irgendein Dienstleister. Sie ist das Organ, das dafür sorgt, dass das gesamte Gebäude funktioniert. Jeder, der eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus besitzt, gehört automatisch zur Wohnungseigentümergemeinschaft. Das bedeutet: Du besitzt nicht nur deine Wohnung (das sogenannte Sonderrechtsobjekt), sondern auch einen Anteil am Gemeinschaftseigentum - also Treppenhäuser, Dach, Außenwände, Keller, Heizungsanlage, Aufzug und Garten. Diese Gemeinschaft ist rechtlich handlungsfähig. Sie kann Verträge abschließen, vor Gericht klagen und verklagt werden. Das ist kein theoretisches Detail. Das ist Realität.
Die Verwaltung wird meist von einem professionellen Hausverwalter übernommen. Er ist nicht dein persönlicher Dienstleister, sondern das notwendige Organ der Gemeinschaft. Er handelt im Namen aller Eigentümer. Und er muss das tun, was das Gesetz vorschreibt: Er muss den Wirtschaftsplan aufstellen, die Hausgeldabrechnung machen, Instandhaltungsarbeiten koordinieren und alle rechtlichen Vorgaben einhalten - von der Heizkostenverordnung bis zur Betriebssicherheitsverordnung.
Du zahlst monatlich Hausgeld. Aber was genau ist darin enthalten? Die Antwort ist einfach: Alles, was das Gebäude am Laufen hält. Das Hausgeld besteht aus drei Teilen:
Du kannst nicht einfach aufhören, Hausgeld zu zahlen. Wer nicht zahlt, gefährdet die gesamte Gemeinschaft. Ein Haus mit fehlender Rücklage wird in wenigen Jahren nicht mehr bewohnbar. Und: Wer nicht zahlt, verliert sein Stimmrecht in der Versammlung. Das ist kein Drohgebärde - das ist Gesetz.
Du hast mehr Rechte, als du denkst. Hier sind die wichtigsten:
Rechte haben immer Pflichten zur Seite. Hier sind deine Hauptpflichten:
Alle wichtigen Entscheidungen werden in der Eigentümerversammlung getroffen. Das ist nicht irgendein Treffen. Das ist das höchste Organ der WEG. Die meisten Beschlüsse brauchen eine einfache Mehrheit. Das hat die WEG-Reform 2020 vereinfacht. Früher brauchte man für eine Modernisierung eine Dreiviertelmehrheit - heute reicht die einfache Mehrheit. Das macht es leichter, notwendige Sanierungen durchzusetzen.
Es gibt aber auch Entscheidungen, die eine zweidrittelmehrheit brauchen - etwa Änderungen an der Teilungserklärung oder der Verkauf des gesamten Gebäudes. Und manche Entscheidungen brauchen einmütige Zustimmung - etwa wenn du als Eigentümer einen Teil deines Sondereigentums in ein Gemeinschaftseigentum verwandeln willst.
Der Verwaltungsbeirat ist kein Ersatz für den Verwalter. Er ist ein Berater. Er besteht aus Eigentümern, die von der Versammlung gewählt werden. Er prüft die Abrechnungen, hält den Verwalter in der Pflicht, und kann Empfehlungen geben. Aber er kann keine Beschlüsse fassen. Nur die Versammlung kann das.
Die WEG-Reform 2020 war kein kleiner Schnitt - sie war eine Wende. Hier die wichtigsten Änderungen:
Was das für dich bedeutet: Sanierungen werden schneller beschlossen. Aber du musst auch schneller zahlen. Die Rücklage ist kein Bonus - sie ist Pflicht. Und wenn du nicht zahlen willst, wirst du früher oder später gezwungen.
Bis 2025 wird der Anteil der vollständig digitalisierten WEG-Verwaltungen auf über 60 % steigen. Das bedeutet: Du bekommst deine Abrechnung per E-Mail, kannst dich online zur Versammlung anmelden und stimmst digital ab. Das ist praktisch - aber auch riskant. Wer seine Daten nicht schützt, kann Opfer von Betrug werden. Die neue WEG-Novelle 2024 wird außerdem die energetischen Anforderungen verschärfen. Du wirst mehr Sanierungen sehen - besonders bei Heizungen und Dämmung. Das ist gut fürs Klima, aber es kostet Geld. Wer jetzt nicht spart, zahlt später mehr.
Konflikte in der WEG sind normal. Aber sie müssen geregelt werden. Wenn du mit dem Verwalter streitest, hole dir die Unterlagen. Prüfe, ob er rechtlich richtig handelt. Wenn du mit anderen Eigentümern streitest - etwa wegen Lärm, Parkplatz oder Haustieren - dann schau in die Gemeinschaftsordnung. Dort steht, was erlaubt ist. Wenn es keine klare Regelung gibt, dann hole dir einen Beschluss. Und wenn alles scheitert: Dann geh zum Anwalt. Ein Rechtsstreit ist teuer - aber manchmal nötig. Und: Du hast das Recht, nicht allein zu sein. Suche dir Verbündete. Eine starke Gemeinschaft ist die beste Waffe gegen Willkür.