Stellen Sie sich vor, Ihr Mehrfamilienhaus bekommt eine moderne Solaranlage auf dem Dach, eine neue Wärmepumpe im Keller und die Mieter zahlen weniger für Strom und Heizung - ohne dass Sie einen Cent investieren müssen. Klingt wie eine Traumvorstellung? Ist es aber nicht. Das ist Energie-Contracting - und es funktioniert in Deutschland seit Jahren in Tausenden von Wohnhäusern.
Das Besondere: Sie zahlen nicht für die Anlage, sondern für die Energie, die Sie verbrauchen. Die Kosten sind festgelegt, oft günstiger als bei herkömmlichen Energieversorgern. Und wenn die Anlage mal ausfällt? Der Contractor repariert sie - und zwar auf eigene Kosten.
Die meisten Eigentümer wählen das Energieliefer-Contracting - weil es die wenigsten Fragen stellt. Sie brauchen kein Fachwissen, keine Vertragsverhandlungen mit Lieferanten, keine Baubegleitung. Alles wird Ihnen abgenommen.
Ein typisches Beispiel: Ein Mieter zahlt vorher 18 Cent pro kWh für Strom. Nach dem Contracting mit Photovoltaik zahlt er 13 Cent. Der Contractor hat seine Kosten gedeckt, der Mieter spart 5 Cent - und das über 20 Jahre. Am Ende steht eine neue, moderne Anlage im Haus, die Ihnen gehört.
Wichtig: Die Kosten für Energie im Contracting gelten als Betriebskosten. Das bedeutet, sie dürfen nach der Umstellung im ersten Jahr nicht erhöht werden. Danach folgen sie den gesetzlichen Regeln der Wärmelieferverordnung. Sie als Vermieter müssen die Mieter schriftlich informieren - aber der Contractor hilft Ihnen dabei.
Beim Mieterstrom-Contracting wird der Solarstrom direkt an die Bewohner geliefert - nicht ins öffentliche Netz. Das ist lukrativ, denn der Strompreis für Mieter ist niedriger als der Netzstrom. Und: Sie bekommen eine staatliche Förderung für Mieterstrom, die den Contractor unterstützt. Die Anlage wird auf dem Dach installiert, die Kabel verlaufen im Haus, die Wechselrichter stehen im Keller. Der Contractor übernimmt alles - von der Genehmigung bis zur Abrechnung.
Ein Projekt in München hat gezeigt: Mit 120 kWp Solarleistung auf einem 12-Parteien-Haus können 45 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Die Mieter sparen durchschnittlich 180 Euro pro Jahr. Und nach 18 Jahren gehört die Anlage dem Haus - ohne Nachzahlung.
Beim BHKW-Contracting installiert der Contractor ein kleines Kraftwerk im Keller, das mit Gas oder Biogas läuft. Es liefert Wärme für die Heizung und Warmwasser und Strom für die Hausstromversorgung. Der überschüssige Strom wird ins Netz eingespeist. Der Contractor verlangt einen Festpreis für Wärme und Strom - oft günstiger als die Kombination aus Gas und Netzstrom.
Ein Vorteil: BHKW sind besonders gut für Gebäude mit hohem Wärmebedarf - wie Krankenhäuser, Hotels oder große Wohnsiedlungen. Sie brauchen aber auch eine konstante Auslastung. Deshalb ist das Modell nur sinnvoll, wenn mindestens 15 bis 20 Wohnungen angeschlossen sind.
Wenn Sie als Vermieter eine bestehende Heizung auf Contracting umstellen, müssen Sie die Mieter schriftlich informieren. Die Betriebskosten dürfen im ersten Jahr nicht steigen. Danach gelten die Regeln der Wärmelieferverordnung. Der Contractor hilft Ihnen bei der Dokumentation - aber die Verantwortung liegt bei Ihnen.
Ein Tipp: Machen Sie eine Mieterinformationsveranstaltung. Zeigen Sie konkrete Zahlen: "Das sind Ihre Einsparungen. Das ist die Anlage. Das ist der Vertragsverlauf." Viele Mieter sind skeptisch - aber wenn sie sehen, dass sie weniger zahlen, wird aus Widerstand Zustimmung.
Die meisten Verträge enthalten eine Verlängerungsoption - aber oft auch eine Übergabe. Nach 15 bis 20 Jahren wird die Anlage - Solar, Wärmepumpe, BHKW - oft kostenlos an die WEG oder den Eigentümer übertragen. Sie haben dann eine moderne, wartungsfreie Energieanlage, die noch 10 bis 15 Jahre läuft. Sie zahlen keine Miete mehr für die Anlage, nur noch die laufenden Kosten für Wartung und Betrieb - die viel niedriger sind als die alten Heizkosten.
Ein Beispiel aus Nürnberg: Ein Haus mit 32 Wohnungen hatte 2012 ein BHKW-Contracting abgeschlossen. 2025 übernahm die WEG die Anlage. Die Wartungskosten liegen jetzt bei 2.000 Euro pro Jahr - vorher waren es 18.000 Euro für Gas und Strom. Die Mieter zahlen weniger, die WEG hat ein Asset im Wert von über 150.000 Euro.
Ein weiterer Punkt: Prüfen Sie die Finanzkraft des Contractors. Ein kleiner Anbieter, der in zwei Jahren pleite geht, bringt Ihnen nichts. Suchen Sie nach etablierten Unternehmen mit mehreren hundert Projekten und langjähriger Erfahrung. Fragen Sie nach Referenzen - und sprechen Sie mit anderen Eigentümern.
Wenn Sie ein Mehrfamilienhaus besitzen, das älter als 20 Jahre ist, haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie investieren jetzt selbst - und riskieren hohe Kosten und ungewisse Renditen. Oder Sie nutzen Contracting - und bekommen eine moderne Energieversorgung, die Ihre Mieter lieben, Ihre Immobilie aufwertet und Ihnen in 15 Jahren eine kostenlose Anlage hinterlässt.
Die Zukunft des Wohnens ist nicht mehr nur aus Beton und Glas. Sie ist auch aus Solarzellen, Wärmepumpen und klugen Verträgen. Und sie beginnt mit einem Gespräch - nicht mit einer Rechnung.