Wenn Sie Ihr Haus sanieren, steht nicht nur die Frage im Raum, wie Sie dämmen, sondern welches Material Sie nehmen. Mineralwolle, Polystyrol oder Naturmaterialien - jeder hat seine Stärken und Schwächen. Und nicht jeder eignet sich für jedes Bauvorhaben. In München, wo Winter kalt und Feuchtigkeit oft ein Problem ist, ist die Wahl entscheidend für Komfort, Kosten und Zukunftssicherheit.
Im Jahr 2026 gilt: Wer sanieren will, muss mehr als nur den günstigsten Preis nehmen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt U-Werte von unter 0,15 W/(m²K) vor. Das klingt technisch, bedeutet aber konkret: Bei Außenwänden brauchen Sie mindestens 13 bis 20 cm Dämmung - je nach Material. Und das kostet Geld. Aber nicht nur das: Es geht auch um Gesundheit, Brandschutz und Umwelt. Hier ist der klare Vergleich.
Mineralwolle - also Glaswolle und Steinwolle - ist in Deutschland immer noch der meistgenutzte Dämmstoff. Sie macht 42 % des Marktes aus. Warum? Weil sie zuverlässig ist. Ihre Wärmeleitfähigkeit liegt zwischen 0,032 und 0,040 W/(m·K). Das bedeutet: Für einen U-Wert von 0,15 brauchen Sie etwa 13 bis 15 cm Dicke. Das ist vergleichbar mit Polystyrol, aber nicht ganz so dünn.
Der große Vorteil: Sie ist nicht brennbar. Klasse A1. Das heißt, bei einem Brand bleibt sie stabil. Deshalb wird sie in Krankenhäusern, Schulen und öffentlichen Gebäuden vorgeschrieben. Auch bei Holzbauweisen ist sie oft die einzige zulässige Option. Sie hält Feuchtigkeit nicht aus - aber sie lässt sie auch wieder ab. Das ist ein Vorteil: Die Dämmung kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, ohne dass Schimmel entsteht. So reguliert sie das Raumklima.
Aber: Die Fasern. Wer sie verarbeitet, braucht Schutz. Atemschutzklasse FFP2, Vollschutzanzug, Handschuhe. Das Umweltbundesamt warnt: Selbst bei fachgerechter Verarbeitung kann die Luft mit bis zu 0,5 mg/m³ Fasern belastet sein - über dem Grenzwert von 0,2 mg/m³. Viele Nutzer berichten von Juckreiz, Hautreizungen. Das ist kein Mythos. Es ist dokumentiert. Und es bleibt ein Risiko, besonders beim Nacharbeiten oder in alten Dachböden.
Kosten? Zwischen 15 und 25 € pro Quadratmeter. Das ist mittel. Aber sie ist zu 95 % recycelbar. Und das zählt. Denn in Zukunft wird das wichtig sein.
Polystyrol - also EPS und XPS - ist der preisgünstige Star. Mit 35 % Marktanteil ist er der zweitgrößte Dämmstoff. EPS (weiße, löchrigere Platten) hat eine Wärmeleitfähigkeit von 0,030 bis 0,040 W/(m·K). XPS (dichtere, rosa oder blaue Platten) ist noch besser: 0,028 bis 0,035 W/(m·K). Das bedeutet: Für denselben Dämmwert brauchen Sie nur 10 bis 12 cm. Das spart Platz. Und das ist ein großer Vorteil, besonders in engen Dachgeschossen oder bei Fassadendämmung mit geringer Aufbauhöhe.
Und es ist wasserdicht. XPS nimmt weniger als 0,3 % Wasser auf, selbst nach 24 Stunden unter Wasser. Deshalb wird es in Umkehrdächern, Kellerwänden und bei Bodenplatten eingesetzt. Dort, wo andere Dämmstoffe schwimmen würden, bleibt Polystyrol stabil.
Die Installation ist einfach. Platten kleben, dübeln, fertig. Handwerker brauchen nur 1 bis 2 Tage, um sich einzuarbeiten. Die Kosten liegen bei 10 bis 15 € pro Quadratmeter. Das ist günstig. Und das ist der Grund, warum so viele es nehmen.
Aber: Es ist ein Kunststoff. Bei Brand emittiert es giftige Dämpfe. Die Rauchdichte kann bis zu 1.000 m²/m erreichen. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Holz. Und es tropft. In Holzbauweisen erhöht es die Flammenbeschleunigung um das 3,5-Fache. Das hat das MPA Dresden in Brandversuchen nachgewiesen. Und es ist kaum recycelbar. Weniger als 15 % der abgebauten Platten werden wiederverwertet. Die meisten landen auf der Deponie. Und das wird sich ändern. BASF stellt die Produktion von Styropor bis 2028 ein. Die EU plant ab 2026 eine CO2-Bepreisung. Das macht Polystyrol bis zu 15 % teurer. Es ist kein langlebiges Material mehr - es ist ein kurzfristiger Kompromiss.
Hanf, Holzfaser, Zellulose, Schafwolle, Kork - sie machen nur 12 % des Marktes aus. Aber sie wachsen mit 9,2 % pro Jahr. Das ist schneller als der gesamte Markt. Warum? Weil sie mehr können als nur dämmen.
Die Wärmeleitfähigkeit ist höher: 0,038 bis 0,050 W/(m·K). Das bedeutet: Sie brauchen 16 bis 20 cm Dicke. Mehr Platz. Mehr Kosten. Aber sie speichern CO₂. Holzfaser speichert bis zu 110 kg CO₂ pro Kubikmeter. Hanf genauso. Das ist nicht nur gut fürs Klima - das ist ein echter Vorteil. Während Polystyrol aus Erdöl hergestellt wird, bindet Hanf CO₂ während des Wachstums.
Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit hervorragend. Holzfaser kann bis zu 135 g/m² Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Das verhindert Tauwasser, Schimmel und staubige Luft. In Altbauten mit schlechter Luftzirkulation ist das ein Game-Changer. Und sie fühlen sich gut an. Keine Fasern, die jucken. Kein Chemiegeruch. Kein Brandrisiko. Sie sind schwer entflammbar (B2) und brennen langsam, ohne giftige Gase.
Die Kosten? 20 bis 40 € pro Quadratmeter. Das ist doppelt so viel wie Polystyrol. Aber: Die Verbraucher geben ihnen 4,3 von 5 Sternen. Die höchste Bewertung aller Dämmstoffe. Warum? Weil sie sich gut anfühlen. Weil sie gesund sind. Weil man weiß, was drin ist.
Die Installation ist schwieriger. Zellulose muss eingeblast werden. Dafür braucht man spezielle Geräte - ab 1.500 €. Hanfplatten müssen exakt zugeschnitten werden. Die Lernkurve für Handwerker: 5 bis 7 Tage. Und die Dokumentation? Oft unvollständig. Hersteller geben weniger Daten preis als bei Mineralwolle oder Polystyrol. Aber das ändert sich. Knauf investiert 200 Millionen Euro in eine neue Steinwolle-Anlage in Bayern - mit 80 % recyceltem Glas. Und die EU will ab 2026 CO₂-Preise einführen. Dann wird Naturdämmung nicht nur gesund - sie wird auch wirtschaftlich sinnvoll.
Wenn Sie bauen oder sanieren, stellen Sie sich drei Fragen:
Wenn Sie Geld sparen wollen und es um einen Keller oder ein Umkehrdach geht: XPS ist die klare Wahl. Es hält Feuchtigkeit aus. Es ist billig. Es ist einfach.
Wenn Sie ein Haus mit hohen Brandschutzanforderungen sanieren - eine Schule, ein Altenheim, ein Mehrfamilienhaus - dann ist Mineralwolle die einzige vernünftige Option. Sie ist sicher. Sie ist langlebig. Sie ist recycelbar.
Wenn Sie ein Eigenheim sanieren, in dem Sie lange leben wollen - und wenn Ihnen Gesundheit, Klima und Luftqualität wichtig sind - dann sind Naturdämmstoffe die beste Investition. Sie sind teurer. Sie brauchen mehr Platz. Aber sie verändern das Raumklima. Sie speichern CO₂. Und sie werden in Zukunft nicht nur beliebter - sie werden zur Norm.
2026 ist kein gewöhnliches Jahr. Die Regeln ändern sich. BASF stellt Styropor ein. Knauf baut neue Anlagen mit recyceltem Glas. Die EU bereitet eine CO2-Bepreisung vor. Polystyrol wird teurer. Mineralwolle wird grüner. Naturdämmstoffe werden zur Standardoption.
Die Prognose des Fraunhofer IBP ist klar: Bis 2030 werden Naturdämmstoffe 25 % des Marktes ausmachen. Polystyrol sinkt auf 25 %. Mineralwolle bleibt mit 50 % führend - aber sie wird anders hergestellt: mit recyceltem Glas, mit weniger Energie, mit besserer Ökobilanz.
Es geht nicht mehr um den billigsten Dämmstoff. Es geht um den intelligentesten. Und der ist längst nicht mehr nur das, was sich leicht verlegen lässt. Er ist das, was die Zukunft trägt.
Für Dachgauben ist Mineralwolle die beste Wahl. Sie ist nicht brennbar (A1-Klasse), was bei engen Dachräumen mit elektrischen Leitungen oder Heizungsrohren entscheidend ist. Außerdem lässt sie Feuchtigkeit diffundieren, was Schimmelbildung in kalten Ecken verhindert. Polystyrol ist hier riskant - es kann bei Brand giftige Gase freisetzen. Naturdämmstoffe wie Holzfaser funktionieren auch, aber sie brauchen mehr Platz, was in kleinen Gauben oft nicht zur Verfügung steht.
Nur bedingt. Die meisten Naturdämmstoffe wie Hanf oder Zellulose saugen Feuchtigkeit auf - und das ist in Kellern ein Problem. Sie verlieren ihre Dämmwirkung und können schimmeln. Ausnahme: Kork und speziell behandelte Holzfaserplatten mit wasserabweisender Beschichtung. Aber selbst dann ist XPS die sicherere Wahl. Für Kellerwände ist Polystyrol (XPS) nach wie vor der Industriestandard - weil es weniger als 0,3 % Wasser aufnimmt. Naturdämmstoffe sind hier kein Ersatz, sondern eine Ergänzung - nur wenn die Feuchtigkeit vorher abgepumpt und abgedichtet wurde.
Ja - aber mit Vorbehalt. Die Herstellung von Mineralwolle braucht viel Energie - 25 bis 30 MJ/kg. Das ist mehr als bei Polystyrol. Aber sie hält 50 Jahre oder länger. Sie ist zu 95 % recycelbar. Und sie wird aus recyceltem Glas und Gestein hergestellt. Im Lebenszyklus hat sie eine bessere Ökobilanz als Polystyrol, das aus Erdöl kommt und kaum recycelt wird. Zudem wird sie ab 2025 mit 80 % recyceltem Material produziert. Das macht sie zu einem der nachhaltigsten konventionellen Dämmstoffe.
Weil die Nachfrage steigt und die Produktion noch nicht skaliert ist. Hanf, Holzfaser und Schafwolle werden in kleineren Betrieben verarbeitet - oft regional. Die Logistik ist aufwendiger. Die Verarbeitung erfordert mehr Handarbeit. Und die Rohstoffe sind nicht so billig wie Erdöl. Aber: Die Preise werden nicht ewig hoch bleiben. Mit steigender Produktion, neuen Anlagen und staatlicher Förderung wird sich das ausgleichen. Schon heute gibt es Förderprogramme, die bis zu 30 % der Kosten übernehmen.
Ja - aber nicht jedes. Alle Dämmstoffe müssen die CE-Kennzeichnung tragen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Zusätzliche Siegel wie das RAL-Gütezeichen für Mineralwolle oder das ECOPRODUCT-Siegel für Naturdämmstoffe sind freiwillig. Sie garantieren aber Qualität, Nachhaltigkeit und emissionsfreie Verarbeitung. Wenn Sie Fördergelder beantragen (z. B. über die BAFA), brauchen Sie diese Zertifikate. Ohne sie wird die Förderung abgelehnt.