Schimmelrisiko in Bestandsimmobilien: So verhindern und sanieren Sie richtig
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Stellen Sie sich vor: Sie sehen dunkle Flecken an der Wand, riechen einen muffigen Geruch, und Ihre Kinder husten öfter als sonst. Es ist nicht nur unangenehm - es ist ein Warnsignal. In Deutschland betrifft Schimmelbildung bis zu 15 % aller Wohngebäude, besonders alte Bestandsimmobilien, die vor 1977 gebaut wurden. Diese Häuser haben oft keine moderne Dämmung, schlechte Lüftung und Wärmebrücken, die Schimmel wie ein Einladungsschild machen. Die gute Nachricht: Sie können es stoppen. Und zwar nicht mit teuren Chemieprodukten, sondern mit klarem Wissen und einfachen Schritten.

Warum Schimmel in Bestandsimmobilien so häufig ist

Schimmel wächst nicht, weil es schmutzig ist. Er wächst, weil es zu feucht ist. Die Luft in Ihrem Wohnzimmer enthält Wasserdampf - von Kochen, Duschen, Atmen, sogar von Pflanzen. Wenn diese Feuchtigkeit auf kalten Oberflächen kondensiert, entsteht Kondenswasser. Und da, wo es feucht bleibt, siedelt sich Schimmel an. In Gebäuden vor 1977 ist das besonders wahrscheinlich. Sie haben meistens nur eine einzelne Mauer, keine Dämmung, und Fenster, die nicht dicht halten. Die Wände kühlen ab, besonders an Ecken, hinter Möbeln oder unter Fensterbänken. Die Temperatur fällt unter den Taupunkt - und plötzlich bildet sich Wasser. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 % ist das Risiko erhöht. Ab 80 % ist Schimmel fast sicher.

Die Deutsche Gesellschaft für Schimmelschäden (DGfS) schätzt, dass jedes Jahr 3,2 Milliarden Euro in Deutschland für die Beseitigung von Schimmel ausgegeben werden. Aber die meisten dieser Kosten wären vermeidbar. Die Prävention kostet nur 15-20 % der Sanierungskosten. Das heißt: Wer jetzt handelt, spart später Tausende.

Die drei Säulen der Schimmelprävention

Es gibt keine Wundermittel. Kein Spray, kein Farbanstrich, kein Luftreiniger allein kann das Problem lösen. Es braucht drei Dinge zusammen: Temperatur, Lüftung und Isolierung.

1. Halten Sie die Raumtemperatur stabil. In Wohnräumen sollten es mindestens 18 °C sein, im Bad 20 °C. Warum? Weil warme Luft mehr Feuchtigkeit halten kann. Wenn Sie die Wohnung zu kalt halten, kondensiert die Luft an den Wänden - selbst wenn Sie lüften. Eine Studie der TU München zeigt: Wer seine Wohnung auf 16 °C runterkühlt, um Energie zu sparen, erhöht das Schimmelrisiko um 40 %. Die Formel ist einfach: Bei 20 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit enthält die Luft 10,4 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter. Bei 16 °C und derselben Menge Feuchtigkeit steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf 75 %. Das ist der rote Bereich.

2. Lüften Sie richtig - nicht gekippt, sondern stoßweise. Die meisten Mieter und Eigentümer glauben, dass gekippte Fenster ausreichen. Tatsächlich tauschen sie nur 15 % der Luft aus. Stoßlüften - also alle Fenster für 3-5 Minuten komplett zu öffnen - bringt 90 % Luftaustausch. Das ist effektiv, schnell und kostet fast nichts. Ein 20 m²-Raum verbraucht bei 5 Minuten Stoßlüftung bei 0 °C nur 0,08 kWh Heizenergie. Gekippte Fenster dagegen verbrauchen bis zu 1,2 kWh pro Tag - mehr als das Zehnfache. Die Empfehlung: dreimal täglich lüften - morgens, nach dem Duschen und abends. Apps wie „Lüftungsheld“ erinnern Sie daran und machen es zur Gewohnheit.

3. Sorgen Sie für Luftzirkulation. Stellen Sie Möbel nicht direkt an Außenwände. Ein Abstand von 5-10 cm ist entscheidend. Ohne Luftzirkulation kühlen die Wände weiter ab, und Feuchtigkeit bleibt hängen. Forschungen vom Fraunhofer IBP zeigen: Ein Abstand von 10 cm erhöht die Wandtemperatur an kritischen Stellen um 1,8-2,3 °C. Das reicht, um Kondensation zu verhindern. Das gilt auch für Gardinen, Vorhänge oder Regale an Außenwänden. Wenn Sie etwas an die Wand stellen, denken Sie: „Kann Luft darum fließen?“

Schnittansicht eines alten Gebäudes mit Wärmebrücken, warmen Luftströmen und einer Person, die stoßweise lüftet.

Wann ist Sanierung nötig - und was kostet es?

Lüften allein reicht nicht immer. Wenn Schimmel trotz regelmäßiger Stoßlüftung zurückkommt, liegt es an baulichen Mängeln. Die häufigsten Probleme:

  • Wärmebrücken an Deckenanschlüssen, Fensterlaibungen oder Balkonplatten
  • Feuchte Isolierung in der Außenwand
  • Undichte Fenster oder schlechte Dämmung

Die Lösung: Wärmedämmung. Die EnEV 2014 fordert für Sanierungen U-Werte von unter 0,35 W/(m²K). Das bedeutet: Eine Außenwanddämmung ist oft die einzige dauerhafte Lösung. Die Kosten liegen zwischen 80 und 150 Euro pro Quadratmeter - je nach Material und Aufwand. Für eine typische 80 m²-Wohnung sind das 6.000 bis 12.000 Euro. Klingt viel? Vergleichen Sie das mit den Folgekosten: Ein Schimmelschaden kann den Immobilienwert um bis zu 25 % senken. Und wenn Sie vermieten: § 555b BGB verpflichtet Sie als Eigentümer zur Beseitigung. Wer das ignoriert, riskiert Schadensersatzansprüche bis zu 15.000 Euro pro Schimmelfleck - wie der DGfS-Fachberater Markus Röder betont.

Es gibt auch günstigere Alternativen: Innenwanddämmung mit speziellen Platten (z. B. Holzfaser) kostet etwa 40-70 Euro/m², aber sie reduziert die Wohnfläche. Eine Dämmung von innen ist nur sinnvoll, wenn die Außenwand trocken ist. Sonst wird die Feuchtigkeit eingeschlossen - und der Schimmel kommt hinter der Dämmung zurück. Deshalb: Vor der Sanierung immer einen Feuchtigkeits-Check machen. Ein Experte misst mit einem Infrarot-Thermografiegerät, wo die Kältebrücken liegen.

Technologie hilft - aber nicht ersetzt

Die Digitalisierung macht Schimmelprävention einfacher. Sensoren wie der „SchimmelGuard“ von Stadtritter messen die Luftfeuchtigkeit und warnen per App, wenn sie über 60 % steigt. Solche Geräte kosten ab 149 Euro. Sie sind kein Ersatz für Lüften, aber ein guter Helfer. Besonders nützlich für Senioren, Berufstätige oder Eltern mit kleinen Kindern, die nicht immer den Überblick haben.

Neue Farben wie der „SchimmelStop“ von Caparol enthalten Silberionen und hemmen Schimmel bis zu 95 % Luftfeuchtigkeit. Sie kosten 8-12 Euro pro Quadratmeter - mehr als doppelte Normalfarbe. Aber: Sie wirken nur, wenn die Wand trocken ist. Wenn die Feuchtigkeit von außen kommt, bleibt die Farbe wirkungslos. Sie ist kein Heilmittel, sondern ein Schutzschicht - wie ein Regenschirm, der nicht hilft, wenn Sie im Sturm stehen.

Die größte Innovation kommt von der Technik: KI-gestützte Lüftungssysteme, die automatisch anpassen, wie viel Luft benötigt wird - basierend auf Bewegung, Luftfeuchtigkeit und Außentemperatur. Bis 2030 erwarten 82 % der Immobilienexperten, dass solche Systeme das Schimmelrisiko um mindestens 40 % senken werden. Aber Prof. Dr. Wolfgang Feist vom Passive House Institute warnt: „70 % der Schimmelprobleme sind Verhaltensursachen. Technik allein reicht nicht.“

Hausbesitzer mit Infrarotkamera, die Wärmebrücken aufzeigt, während eine schimmelfreie Wand im Hintergrund sichtbar ist.

Die 4-Schritte-Strategie der Deutschen Energie-Agentur

Die dena hat einen klaren, umsetzbaren Plan entwickelt - und 82 % der Energieberater bewerten ihn als „sehr hilfreich“. Hier ist er in vier Schritten:

  1. Diagnose (Woher kommt die Feuchtigkeit?) - Messen Sie mit einem Hygrometer (z. B. Testo 605i) die Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Räumen. Notieren Sie, wo Schimmel ist, und ob es an Außenwänden, Ecken oder hinter Möbeln ist.
  2. Verhaltensänderung (Lüften und Heizen) - Beginnen Sie mit drei Stoßlüftungen täglich. Halten Sie die Temperatur über 18 °C. Stellen Sie Möbel 10 cm von Außenwänden zurück. Entfernen Sie feuchte Handtücher aus dem Bad.
  3. Bauliche Sanierung (Wenn nötig) - Wenn Schimmel nach 6 Wochen zurückkommt, lassen Sie eine Wärmebrückenanalyse machen. Sanieren Sie mit Dämmung, wenn U-Wert über 0,35 W/(m²K) ist. Prüfen Sie Fenster und Türen auf Dichtheit.
  4. Dokumentation und Kontrolle - Führen Sie ein Lüftungstagebuch. Notieren Sie, wann Sie gelüftet haben. Nutzen Sie die Checklisten des ifb Instituts (2023). Sie enthalten 27 praxiserprobte Punkte - von der Heizkörperposition bis zur Duschwanne.

Die Lernkurve ist kurz: Nach 2-3 Wochen ist Lüften zur Gewohnheit geworden. Und die Ergebnisse sind sichtbar. Ein Nutzer auf immobilien-forum.de schrieb: „Nach 4 Wochen Stoßlüften verschwand der Schimmel - ohne eine einzige Euro für Sanierung.“

Was Sie jetzt tun sollten

Schimmel ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und baulichen Schwächen - und oft von Ignoranz. Die gute Nachricht: Sie haben die Kontrolle.

Heute: Kaufen Sie ein Hygrometer (unter 20 Euro im Baumarkt). Messen Sie die Luftfeuchtigkeit in Ihrem Schlafzimmer und Bad. Wenn es über 60 % ist, ist es Zeit zu handeln.

Die nächsten 7 Tage: Beginnen Sie mit drei Stoßlüftungen täglich - morgens, nach dem Duschen, abends. Halten Sie die Heizung auf 18 °C. Räumen Sie Möbel von den Außenwänden weg.

Die nächsten 4 Wochen: Beobachten Sie. Wenn der Schimmel zurückkommt, rufen Sie einen Energieberater. Lassen Sie eine Wärmebildkamera-Analyse machen. Die Kosten liegen bei 150-300 Euro - aber sie sparen Ihnen Tausende.

Die Zukunft wird härter. Der Klimawandel bringt höhere Luftfeuchtigkeit - besonders in ländlichen Regionen. Die alten Häuser werden immer mehr zur Belastung. Aber wer jetzt handelt, schützt seine Gesundheit, seinen Geldbeutel und seinen Wohnwert. Schimmel ist kein Problem, das man abwarten kann. Er wächst - und er kostet. Nicht nur Geld. Manchmal auch Gesundheit.

Kann ich Schimmel einfach abwischen und das ist erledigt?

Nein. Abwischen entfernt nur die Oberfläche. Der Schimmel wächst in der Wand oder hinter der Tapete weiter. Wenn die Feuchtigkeitsquelle nicht beseitigt wird, kommt er zurück - oft schneller und stärker. Die einzige dauerhafte Lösung ist: Ursache beseitigen - also Feuchtigkeit reduzieren, lüften, sanieren.

Ist gekipptes Fenster wirklich schlecht für die Lüftung?

Ja. Gekippte Fenster tauschen nur etwa 15 % der Raumluft aus. Stoßlüften - also alle Fenster für 3-5 Minuten komplett öffnen - bringt bis zu 90 % Luftaustausch. Außerdem verbraucht gekipptes Fenster mehr Heizenergie als kurze Stoßlüftung. Es ist ein Mythos, dass gekipptes Fenster spart - es ist ineffizient und fördert sogar Schimmel.

Wie teuer ist eine Schimmel-Sanierung wirklich?

Die Kosten variieren stark. Bei kleinen Stellen (unter 0,5 m²) reicht oft Reinigung und Lüften - Kosten: 0-200 Euro. Bei Wärmebrücken oder feuchten Außenwänden ist eine Dämmung nötig: 80-150 Euro pro Quadratmeter. Für eine 80 m²-Wohnung sind das 6.000-12.000 Euro. Aber: Ohne Sanierung sinkt der Immobilienwert um bis zu 25 %. Und Sie riskieren Schadensersatzansprüche bis zu 15.000 Euro pro Schimmelfleck - wenn Sie als Eigentümer versäumt haben, zu sanieren.

Kann ich Schimmelprävention als Mieter selbst machen?

Ja. Sie können jederzeit lüften, die Temperatur anheben, Möbel von Wänden rücken und Hygrometer nutzen. Das ist Ihr Recht. Wenn Schimmel trotzdem auftritt, müssen Sie den Vermieter informieren. Er ist verpflichtet, bauliche Mängel zu beheben - laut § 535 BGB. Sie dürfen nicht selbst sanieren, ohne Zustimmung. Aber Sie können und sollten das Verhalten ändern - das ist der erste Schritt.

Warum steigt das Schimmelrisiko durch Klimawandel?

Der Klimawandel bringt wärmere, feuchtere Sommer und mildere, feuchtere Winter. In ländlichen Regionen mit alten Häusern steigt die Außenluftfeuchtigkeit. Gleichzeitig werden Häuser immer besser gedämmt - aber oft ohne entsprechende Lüftung. Das führt dazu, dass Feuchtigkeit nicht mehr entweichen kann. Das Potsdam-Institut prognostiziert bis 2040 einen Anstieg des Schimmelrisikos um 18-25 % - besonders in Bestandsimmobilien.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Schimmelprävention?

Ja. Die Mietrechtsnovelle 2021 (§ 555b BGB) verpflichtet Eigentümer zur Beseitigung von Schimmelpilzbefall. Das Bundesverfassungsgericht hat 2022 klargestellt: Schimmelschäden mindern die Gebrauchstauglichkeit einer Wohnung, wenn sie mehr als 5 % der Wandfläche betreffen. Wer das ignoriert, kann haftbar gemacht werden - auch mit Schadensersatzansprüchen.

Welche Schimmelprodukte sind wirklich wirksam?

Die einzigen wirksamen Mittel sind Feuchtigkeitskontrolle und Temperaturregulation. Alle anderen Produkte - Sprays, Lacke, Luftreiniger - sind oft Placebos. Einige Farben wie „SchimmelStop“ von Caparol hemmen Schimmel bei hoher Luftfeuchtigkeit, aber nur, wenn die Wand trocken ist. Sie sind kein Ersatz für Lüften oder Sanierung. Experten wie Dr. med. Susanne Schultz warnen: „Die einzigen wirksamen Maßnahmen sind Feuchtigkeitskontrolle und Temperaturregulation.“