Erste Schritte bei der Hausrenovierung: Die richtige Reihenfolge für Anfänger
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Wenn du dein Haus sanierst, aber noch nie etwas Größeres gebaut hast, dann bist du nicht allein. In Österreich und Deutschland beginnen jedes Jahr Tausende Hausbesitzer eine Renovierung - und viele davon machen denselben Fehler: Sie fangen von innen an. Sie tauschen die Fenster aus, streichen die Wände, legen neuen Boden - und erst danach schauen sie sich das Dach an. Das ist wie einen neuen Anzug anzuziehen, während das Dach über dir leckt. Die Folge? Schimmel, teure Nacharbeiten, und ein Budget, das in die Luft geht.

Warum die Reihenfolge alles entscheidet

Die meisten Renovierungsprojekte scheitern nicht an mangelndem Geld, sondern an falscher Reihenfolge. Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftliche Bau- und Immobilienberatung (IWBI) sparen Hausbesitzer, die die richtige Abfolge einhalten, durchschnittlich 18.500 Euro. Wie kommt das? Weil Schäden, die von außen kommen, innen immer wieder auftreten. Ein undichtes Dach lässt Regenwasser in die Dachkonstruktion laufen. Das macht die Dämmung nass, schädigt die Holzträger und führt zu Schimmel an den Innenwänden. Selbst wenn du danach neue Fenster einbaust - die Feuchtigkeit bleibt. Und wenn du dann die Fassade dämmst, ohne das Dach zu reparieren, läuft das Wasser einfach hinter die Dämmung. Das ist kein Traum, das ist Realität - und es passiert jeden Tag.

Die korrekte Reihenfolge ist einfach, aber nicht intuitiv: von außen nach innen. Das bedeutet:

  1. Dach
  2. Fenster
  3. Fassadendämmung
  4. Heizung
  5. Innenausbau

Dieser Ablauf ist nicht willkürlich. Er folgt den technischen Gesetzen der Bauphysik. Ein trockenes, dichtes Dach ist die Grundlage. Ohne das ist alles andere nur vorübergehend. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bestätigen das: Erst wenn die Hülle dicht ist, lohnt sich der Austausch der Heizung. Und die KfW-Förderung zahlt nur, wenn du die Maßnahmen in dieser Reihenfolge durchführst.

Der erste Schritt: Die Bestandsaufnahme

Bevor du einen Handwerker anrufst, musst du wissen, was du hast. Kein Plan, kein Budget, kein Erfolg. Eine professionelle Bestandsaufnahme kostet zwischen 300 und 500 Euro - aber sie spart dir später 10.000 Euro. Warum? Weil sie unentdeckte Schäden aufzeigt. Ein Haus aus den 70ern hat oft undichte Dachrinnen, feuchte Kellerwände oder alte Holzfenster mit Luftlecks. Diese Probleme verstecken sich hinter Tapeten oder Möbeln.

Was du brauchst:

  • Eine Liste aller Bauteile: Dach, Fassade, Fenster, Türen, Keller, Heizung
  • Fotos von verdächtigen Stellen: Flecken an der Decke, feuchte Ecken, Risse in der Fassade
  • Das Baujahr deines Hauses - das sagt dir, welche Materialien vermutlich verbaut sind
  • Ein Maßband - für Fenster, Türen, Wände

Gehe dein Haus Schritt für Schritt ab. Steige auf den Dachboden. Schau dir die Sparren an. Ist das Holz weich? Riecht es modrig? Das ist ein Warnsignal. Gehe in den Keller. Ist die Wand feucht? Dann kommt das Wasser von oben - oder von unten. Beides muss behandelt werden, bevor du weitermachst.

Wenn du unsicher bist, hol dir einen Energieberater. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) empfiehlt, einen zertifizierten Berater zu wählen - das ist Voraussetzung für Fördermittel. Ein guter Berater erstellt einen Sanierungsfahrplan. Er sagt dir: „Zuerst das Dach, dann die Fenster, dann die Dämmung.“ Und er zeigt dir, wo du Fördergelder bekommst.

Das Dach: Dein erster und wichtigster Auftrag

Das Dach ist die erste Verteidigungslinie deines Hauses. 92 % aller Folgeschäden entstehen durch undichte Dächer. Ein kaputtes Dach lässt nicht nur Wasser eindringen - es lässt auch Wärme entweichen. In einem alten Haus kann bis zu 30 % der Heizenergie durch das Dach verloren gehen.

Was du prüfen musst:

  • Die Dachziegel oder -platten: Sind sie gebrochen, verrutscht oder fehlen sie?
  • Die Dachrinne: Ist sie verstopft? Läuft das Wasser ab oder sammelt es sich?
  • Die Dachbodenluft: Ist sie feucht? Gibt es Kondenswasser auf den Holzbalken?
  • Die Dachdämmung: Ist sie nass? Ist sie zu dünn? (Bei Häusern vor 1990 ist sie oft nur 5-10 cm dick - zu wenig für heute)

Wenn du ein Dach aus den 80ern hast, ist die Dämmung meistens nicht mehr zeitgemäß. Die Mindestanforderung heute liegt bei 20-30 cm Dämmung. Aber Achtung: Wenn du die Dämmung nachträglich einbaust, musst du die Lüftung im Dachboden prüfen. Sonst entsteht Kondenswasser - und Schimmel.

Die gute Nachricht: Die KfW zahlt bis zu 25 % der Kosten für eine Dachsanierung - wenn du sie richtig machst. Dafür brauchst du einen Energieberater, der die Maßnahme bestätigt. Die Anträge laufen über das Portal der KfW. Du kannst sie online ausfüllen. Es dauert 15 Minuten. Aber vergiss nicht: Der Antrag muss vor dem Baubeginn gestellt werden. Nachträglich gibt es keine Förderung.

Fassade eines Hauses mit Dachdämmung, neuen Fenstern und Außenwanddämmung in korrekter Renovierungsreihenfolge.

Fenster und Fassade: Die zweite Schicht

Nach dem Dach kommen die Fenster. Warum nicht vorher? Weil die Fensterlaibungen - also die Wand um das Fenster herum - oft schlecht gedämmt sind. Wenn du neue Fenster einbaust, ohne die Laibungen zu sanieren, entsteht ein Kältebrücke. Das heißt: Die Wand kühlt aus. Feuchtigkeit kondensiert. Schimmel wächst.

Die richtige Methode: Erst die Fassade dämmen, dann die Fenster einbauen. So wird die neue Dämmung an den Fensterrahmen angeschlossen - und die Wärme bleibt im Haus. Das ist der Grund, warum viele Hausbesitzer nach dem Fensteraustausch plötzlich Schimmel an den Wänden haben. Sie haben die Fassade vergessen.

Bei der Fassadendämmung gibt es zwei Hauptmethoden: Außenwanddämmung mit WDVS (Wärmedämmverbundsystem) oder Innendämmung. Die Außenwanddämmung ist effektiver - sie verhindert Kältebrücken und schützt die Mauer vor Witterung. Aber sie verändert das Aussehen des Hauses. Bei historischen Gebäuden oder Denkmalschutz muss das mit dem Denkmalamt abgestimmt werden.

Ein Tipp: Wähle eine Dämmstärke von mindestens 14 cm. Das reicht, um den U-Wert auf 0,25 W/(m²K) zu senken - das ist der Standard für neue Häuser. Und es lohnt sich: Eine gut gedämmte Fassade senkt den Heizenergiebedarf um bis zu 45 %.

Die Heizung: Der letzte Schritt vor innen

Die Heizung kommt erst nach Dach, Fenster und Fassade. Warum? Weil du nicht eine alte Ölheizung durch eine neue ersetzen solltest, wenn dein Haus immer noch wie ein Sieb ist. Eine moderne Wärmepumpe braucht eine gut gedämmte Hülle, um effizient zu arbeiten. Sonst läuft sie rund um die Uhr - und deine Stromrechnung wird teuer.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt seit 2020 vor: Ab 2026 dürfen keine neuen Öl- oder Gasheizungen mehr in bestehenden Gebäuden eingebaut werden, wenn sie nicht mit erneuerbaren Energien kombiniert werden. Das bedeutet: Wenn du deine Heizung austauschst, musst du mindestens 65 % der Wärme aus erneuerbaren Quellen beziehen. Das kann eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine Pelletheizung oder eine Solarthermie-Anlage sein.

Die Förderung ist groß: Die KfW zahlt bis zu 30 % der Kosten für eine Wärmepumpe. Und wenn du die Heizung mit einer Dachsanierung kombinierst, bekommst du sogar Bonuspunkte. Die Anträge sind kompliziert - aber der digitale Fördermittelrechner der KfW macht es leicht. Du gibst deine Daten ein, und er sagt dir: „Du bekommst 12.400 Euro Zuschuss.“

Innenausbau: Wenn alles dicht ist

Jetzt erst kommt der Innenausbau. Neu verlegter Boden, neue Tapeten, neue Küchen. Alles, was du dir vorstellst. Aber nur, wenn die Außenhülle dicht ist. Sonst wird deine neue Küche in drei Jahren schimmeln. Dein neuer Teppich riecht nach Feuchtigkeit. Deine Wände blättern ab.

Ein häufiger Fehler: Nach der Fassadensanierung wird sofort mit dem Innenausbau begonnen. Das ist ein Fehler. Die Wand muss trocknen. Das dauert 4-8 Wochen. Wenn du zu früh tapetierst, bleibt die Feuchtigkeit zwischen Wand und Tapete. Schimmel wächst. Und du musst alles neu machen.

Warte. Lüfte. Mess die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer. Wenn sie unter 60 % liegt, kannst du loslegen. Dann ist dein Innenausbau nicht nur schön - er hält.

Hygrometer zeigt niedrige Luftfeuchtigkeit an einer trockenen Innenwand vor dem Innenausbau.

Die Kosten: Was du wirklich brauchst

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus aus den 80ern kostet bei einer ganzheitlichen Sanierung zwischen 80.000 und 120.000 Euro. Das klingt viel. Aber du bekommst Förderung. Und du sparst Heizkosten. Eine Familie mit 15.000 Euro Heizkosten pro Jahr kann nach der Sanierung auf 5.000 Euro runterkommen. Das sind 10.000 Euro pro Jahr. In acht Jahren hast du die Sanierung amortisiert.

Dein Budget sollte drei Teile haben:

  • 85 % für geplante Arbeiten
  • 10 % für unvorhergesehene Schäden (z. B. versteckte Holzschäden im Dach)
  • 5 % für Verzögerungen (Wartezeiten bei Handwerkern, Lieferengpässe)

Die Handwerkskammer sagt: 67 % aller Sanierungen haben unerwartete Kosten. Wer keinen Puffer hat, gerät in finanzielle Schwierigkeiten. Plane großzügig. Und hole dir immer mehrere Angebote. Ein Handwerker ist kein Freund - er ist ein Dienstleister. Vergleiche. Lies Bewertungen. Frag nach Referenzen.

Was du nicht vergessen darfst

  • Genehmigungen: Bei Dachaufbauten, Fassadendämmung oder Fenstertausch brauchst du oft eine Baugenehmigung. Frag bei deinem Bauamt nach.
  • Fördermittel: KfW, BAFA, Bundesförderung für effiziente Gebäude - alle haben unterschiedliche Programme. Nutze den KfW-Fördermittelrechner. Er ist kostenlos und einfach.
  • Zeit: Die Planung dauert 3-6 Monate. Der Bau 6-12 Monate. Du brauchst Geduld. Wer schnell will, zahlt doppelt.
  • Handwerker: Wähle Fachleute mit Zertifikaten. Ein Energieberater kann dir Empfehlungen geben.
  • Dokumentation: Mache Fotos von allem - vor, während und nach der Sanierung. Das brauchst du für Förderanträge und später beim Verkauf.

Was du jetzt tun kannst

1. Geh in dein Haus. Mach ein paar Fotos von den Wänden, dem Dachboden, den Fenstern. 2. Schreibe auf: Was riecht modrig? Wo sind Risse? Wo ist die Luft feucht? 3. Suche online nach „Energieberater in Linz“ und buche ein Erstgespräch. 4. Gehe auf die Website der KfW und nutze den Fördermittelrechner. 5. Mach dir eine Liste: Was muss zuerst? Was kann warten? Du musst nicht alles auf einmal machen. Aber du musst mit dem richtigen Schritt beginnen. Und der beginnt nicht mit dem Bohrer - sondern mit dem Blick nach oben.

Wie lange dauert die Planung einer Hausrenovierung?

Die Planung dauert in der Regel 3 bis 6 Monate. Das beinhaltet die Bestandsaufnahme, die Beratung mit einem Energieberater, die Anträge für Fördermittel, die Vergabe der Handwerker und die Baugenehmigung. Wer schneller starten will, riskiert teure Fehler. Ein gut geplanter Prozess spart am Ende Zeit und Geld.

Kann ich eine Hausrenovierung selbst machen?

Einige Arbeiten wie Streichen, Verlegen von Boden oder Montieren von Regalen kannst du selbst machen. Aber Dach, Fassade, Fenster und Heizung müssen von zertifizierten Handwerkern ausgeführt werden - sonst verlierst du die Fördermittel und die Garantie. Außerdem ist ein falscher Einbau gefährlich und kann zu Schimmel oder Wärmeverlust führen. Lass die technischen Arbeiten den Profis.

Welche Fördermittel gibt es für Hausrenovierungen?

Die wichtigsten Fördermittel kommen von der KfW (z. B. Programm 151/152 für Energieeffizientes Sanieren) und vom BAFA (für Wärmepumpen). Die KfW zahlt bis zu 25 % der Kosten, wenn du ganzheitlich sanierst. Der BAFA zahlt bis zu 30 % für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Anträge müssen vor Baubeginn gestellt werden. Nutze den KfW-Fördermittelrechner - er zeigt dir genau, was du bekommst.

Warum ist die Reihenfolge Dach-Fenster-Fassade wichtig?

Weil Feuchtigkeit von oben nach unten dringt. Wenn du zuerst die Fenster tauschst, aber das Dach und die Fassade undicht sind, läuft das Wasser hinter die neuen Fenster und beschädigt sie. Die Dämmung wird nass, Schimmel entsteht. Die richtige Reihenfolge sorgt dafür, dass alle Bauteile dicht sind - bevor du innen arbeitest. Sonst musst du alles wieder aufmachen.

Wie erkenne ich, ob mein Haus sanierungsbedürftig ist?

Ein Haus aus vor 1990 hat fast immer Sanierungsbedarf. Zeichen sind: hohe Heizkosten, kalte Wände, Schimmel an Ecken, Zugluft an Fenstern, feuchte Kellerwände, kaputte Dachziegel oder verstopfte Dachrinnen. Wenn du drei oder mehr dieser Punkte hast, ist eine Sanierung sinnvoll. Ein Energieberater kann dir mit einem Energieausweis genau sagen, wie viel Energie du verlierst.

Kommentare (4)

Clemens Oertel
  • Clemens Oertel
  • Januar 26, 2026 AT 16:49

Das mit der Reihenfolge ist nicht nur logisch, es ist elementar. Wer das Dach ignoriert, der baut auf Sand. Ich hab mal ein Haus gesehen, wo jemand 80.000 Euro in Fenster und Innenausbau gesteckt hat – und zwei Jahre später war das ganze Haus ein Schimmelpilzparadies. Die Technik ist einfach: Außen dicht, innen trocken. Punkt. Keine Ausreden.

Die KfW-Förderung ist kein Geschenk, sondern ein Werkzeug. Wer sie nicht nutzt, der zahlt doppelt – und das ist nicht nur dumm, das ist sträflich verantwortungslos.

Und nein, du kannst nicht einfach ‘mal eben’ ein Dach reparieren, weil du ‘was gelernt hast’. Das ist kein IKEA-Schrank. Das ist Bauphysik. Und die lässt sich nicht mit YouTube-Tutorials austricksen.

Matthias Thunack
  • Matthias Thunack
  • Januar 27, 2026 AT 16:23

Es ist bemerkenswert, wie wenig Beachtung die grundlegenden Prinzipien der Bauphysik in der breiten Öffentlichkeit finden. Die hier dargelegte Reihenfolge entspricht nicht nur den technischen Anforderungen, sondern auch den gesetzlichen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes. Eine Abweichung davon stellt nicht nur eine wirtschaftliche Fehlentscheidung dar, sondern auch eine potenzielle Gefährdung der baulichen Substanz. Die Verantwortung des Hausbesitzers erstreckt sich nicht nur auf die Finanzierung, sondern auch auf die fachliche Kompetenz der ausführenden Handwerker. Eine sorgfältige Dokumentation ist nicht optional, sondern unumgänglich.

Karla Muñoz
  • Karla Muñoz
  • Januar 27, 2026 AT 21:40

ich hab grad mein dachboden besichtigt und rieche echt modrig… hab keine ahnung ob das jetzt schlimm ist oder nicht. hab fotos gemacht, aber was mach ich jetzt? soll ich gleich nen energieberater rufen oder erst mal abwarten? frag mich grade ob ich total überreagier… 😅

Cathrine Instebø
  • Cathrine Instebø
  • Januar 28, 2026 AT 14:11

The structural integrity of a building begins at its envelope. Without a watertight roof, no interior renovation can be considered sustainable or prudent. The sequence outlined here is not merely recommended-it is scientifically imperative. I commend the author for emphasizing the role of professional energy consulting. In Norway, we follow similar principles, and the results speak for themselves: lower energy consumption, healthier indoor climates, and longer building lifespans. Patience is not a delay-it is an investment.

Do not rush. Measure. Observe. Consult. The house will thank you.

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