Zeitaufwand von Renovierungsarbeiten: Realistische Planung im Alltag
14/01
0

Wie viel Zeit braucht eine Renovierung wirklich? Viele denken: Renovierungszeit ist ein paar Wochen - vielleicht ein paar Monate, wenn’s schlimm kommt. Doch wer schon einmal eine Wohnung saniert hat, weiß: Es dauert viel länger, als man glaubt. Und das liegt nicht an faulen Handwerkern oder schlechtem Wetter. Es liegt an der Planung - oder besser gesagt: an der fehlenden Planung.

Die Wahrheit über Renovierungszeiten

Ein durchschnittliches Renovierungsprojekt in Deutschland dauert heute fast neun Monate. Das sagt das Statistische Bundesamt für das Jahr 2024. Doch die meisten Bauherren rechnen mit drei bis vier Monaten. Warum? Weil sie nur die eigentlichen Arbeiten zählen - nicht die Wartezeiten, nicht die Trocknungszeiten, nicht die Terminkoordination. Die Realität sieht anders aus: 63 % der Projekte überschreiten den geplanten Zeitrahmen. Und 78 % gehen über das Budget. Das ist kein Zufall. Das ist die Folge von zu optimistischer Planung.

Die größte Fehlerquelle? Die Vorbereitung. Viele glauben, die Planungsphase sei nur das Ausmessen der Räume und ein paar Skizzen. Doch die Vorbereitung braucht mindestens vier bis acht Wochen - und das ist erst der Anfang. In dieser Zeit müssen Sie nicht nur entscheiden, was renoviert werden soll, sondern auch Angebote einholen, Genehmigungen beantragen, Handwerker buchen und Materialien bestellen. Und das alles, bevor der erste Nagel in die Wand kommt.

Was kostet wie viel Zeit? Ein konkreter Ablauf

Stellen Sie sich vor, Sie renovieren eine 80 m² Wohnung. Hier ist, was wirklich passiert - Schritt für Schritt:

  • Vorbereitung (4-8 Wochen): Zustandsanalyse, Baugenehmigung (falls nötig), Angebote einholen, Handwerker terminieren, Material bestellen. In Ballungsräumen wie Wien, München oder Linz müssen Sie mit einer Wartezeit von durchschnittlich 4,3 Wochen auf einen Elektriker oder Sanitärinstallateur rechnen. Das ist kein Mythos - das ist aktueller Stand 2026.
  • Rohbau (6-12 Monate): Das klingt viel, ist aber realistisch. Wenn Sie eine alte Heizung austauschen, brauchen Sie mindestens zwei bis vier Wochen - inklusive einer Woche für die Planung. Fenster einbauen? Ein Tag für den Abbau, eine Woche für den Einbau. Aber Achtung: Wenn die Außenwände nass sind, müssen Sie erst warten, bis sie trocken sind. Das kann zwei bis drei Wochen dauern - und das steht nicht in der Planung, wenn Sie es nicht bewusst einrechnen.
  • Innenausbau (1-3 Monate): Estrich verlegen? Dann müssen Sie mindestens 1 mm Trocknung pro Tag rechnen. Bei einem 5 cm dicken Estrich sind das 50 Tage. Kein Witz. Und während der Estrich trocknet, können Sie nicht den Boden verlegen. Der Bodenleger wartet. Und Sie zahlen weiterhin Miete oder haben keinen Wohnraum.
  • Abschlussarbeiten (2-4 Wochen): Tapete kleben, Farbe streichen, Armaturen montieren, Putz reparieren. Klingt nach Kleinigkeiten? Doch wenn der Maler erst nach drei Wochen kommt, weil er vorher noch zwei andere Jobs hat, dann verlängert sich das alles. Und wenn die neue Toilette nicht rechtzeitig geliefert wird? Dann bleibt das Bad drei Wochen lang unbenutzbar.

Das ist kein Einzelfall. Das ist Standard. Und es passiert, weil Menschen nicht wissen, wie viel Zeit wirklich nötig ist. Sie denken: „Ich mache das selbst.“ Aber selbst wenn Sie alles selbst machen - die Trocknungszeiten, die Lieferzeiten, die Termine der Behörden - die können Sie nicht beschleunigen.

Warum digitale Tools helfen - und warum sie auch scheitern

Heute gibt es Apps wie PlanRadar, Baukind oder RenovateEasy. Sie helfen dabei, Termine zu verwalten, Materialbestellungen zu tracken und Abhängigkeiten zwischen Gewerken zu visualisieren. Laut einer GfK-Umfrage aus dem Jahr 2024 verbessern diese Tools die Termintreue um 22 %. Das ist viel. Doch sie haben einen Haken: Sie funktionieren nur, wenn Sie die Daten richtig eingeben.

Ein Nutzer schrieb auf Baukind: „Ich habe die Trocknungszeit für den Estrich nicht eingetragen. Als der Bodenleger kam, war er noch feucht. Drei Wochen verloren.“ Das ist kein Problem der App. Das ist ein Problem der Benutzerin. Die Tools sind nicht magisch. Sie zeigen nur, was Sie reinschreiben. Und viele unterschätzen einfach, wie lange etwas dauert.

Ein weiterer Nachteil: Die meisten Tools rechnen nicht mit der Wartezeit auf Handwerker. Sie sagen: „Fenstermontage am 15. März.“ Aber wenn der Handwerker erst am 12. April verfügbar ist, dann ist die Planung hinfällig. Die Handwerkskammer Berlin bestätigt: In Ballungsräumen ist die durchschnittliche Wartezeit auf einen Fachmann aktuell über 40 Tage. Das muss in Ihrer Planung stehen - sonst scheitert alles.

Eine Whiteboard-Zeitplanung mit renovierungsrelevanten Phasen und einem 15%-Puffer, umgeben von Notizen und einer Uhr.

Der Puffer - Ihr geheimer Schlüssel zum Erfolg

Was ist der Unterschied zwischen einem Projekt, das pünktlich fertig wird, und einem, das zum Albtraum wird? Der Puffer. 15 % zusätzliche Zeit. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist der Goldstandard, den die Handwerkskammer München in einer Studie mit 150 Projekten bestätigt hat. Projekte mit 15 % Puffer erreichten eine Termintreue von 89,3 %. Ohne Puffer: nur 67,8 %.

Was bedeutet das konkret? Wenn Sie glauben, Ihre Renovierung dauert sechs Monate, rechnen Sie mit sieben Monaten und drei Wochen. Wenn Sie denken, es sind neun Monate, planen Sie elf Monate ein. Warum? Weil etwas immer schiefgeht. Die Dachrinne ist undicht und muss vor dem Estrich repariert werden. Die neue Heizung kommt mit einem defekten Ventil. Der Putz trocknet langsamer, weil es kühler ist als im Winter. Diese Dinge passieren. Und wenn Sie keinen Puffer haben, bricht das ganze Projekt zusammen.

Ein Nutzer auf Reddit beschreibt es so: „Meine 3-Monats-Renovierung wurde zum 9-Monats-Albtraum.“ Warum? Weil er keinen Puffer hatte. Ein anderer sagt: „Mein 15 %-Puffer hat mich gerettet. Die Schimmelbeseitigung hat genau diesen Zeitraum gebraucht - ohne dass ich den Gesamtplan durcheinanderbrachte.“ Das ist der Unterschied zwischen Chaos und Kontrolle.

Was Sie wirklich brauchen: Fähigkeiten, nicht nur Tools

Sie brauchen keine Bauingenieur-Ausbildung, um eine Renovierung zu planen. Aber Sie brauchen drei Dinge:

  1. Grundwissen über Bauprozesse: Wie lange trocknet Estrich? Was kommt vor dem Anstrich? Was darf nicht gleichzeitig gemacht werden? 20 bis 30 Stunden Lernzeit reichen, um die wichtigsten Zusammenhänge zu verstehen. Kostenlose Online-Kurse von dena oder der Architektenkammer helfen.
  2. Terminkoordination: Sie müssen Handwerker anrufen, Termine absprechen, Änderungen kommunizieren. Das ist keine Nebensache. Das ist Ihr Hauptjob während der Renovierung. 10 bis 15 Stunden pro Woche sind realistisch.
  3. Budgetplanung mit Puffer: 15 % Reserve für unvorhergesehene Kosten - nicht als „Sparen“, sondern als Notfallkonto. Wenn die Wand nass ist und Sie einen neuen Dämmschicht brauchen, dann muss das Geld da sein.

Die IHK München hat in einem Workshop genau das gelehrt. Und wer das befolgt, hat deutlich weniger Stress. Wer es ignoriert, landet auf Reddit mit einem Albtraum.

Eine Familie in einer renovierten Wohnung, blickt auf ein Tablet mit Warnung, während der Estrich noch nass ist.

Was Sie unbedingt vermeiden müssen

Hier sind die drei häufigsten Fehler - und wie Sie sie vermeiden:

  • Fehler 1: Trocknungszeiten ignorieren. 41 % aller Projekte scheitern daran. Estrich, Putz, Kleber - alles braucht Zeit. Schreiben Sie die Trocknungszeiten in Ihren Plan - und halten Sie sich daran.
  • Fehler 2: Die Reihenfolge der Gewerke verkehrt. Sie verlegen den Boden, bevor der Estrich trocken ist? Dann ist er kaputt. Sie malen, bevor die Wände abgedichtet sind? Dann blättert die Farbe. Jedes Gewerk hat eine logische Abfolge. Lernen Sie sie.
  • Fehler 3: Die Vorarbeiten unterschätzen. Entsorgung, Abdecken, Staubsaugen, Abreißen - das ist kein „Zusatz“, das ist Teil der Arbeit. Und es dauert. Oft mehr als die eigentliche Installation.

Was sich 2026 ändert - und warum das Ihre Planung beeinflusst

Die Bauwelt verändert sich. Seit Januar 2025 gibt es in Deutschland das Programm „Sanieren mit Plan“. Es bietet kostenlose Beratung - und wer teilnimmt, spart durchschnittlich 19 % Zeit. Warum? Weil die Berater wissen, wie lange die Wartezeiten wirklich sind. Sie wissen, welche Materialien aktuell Lieferprobleme haben. Sie wissen, wo die Genehmigungen langsam laufen.

Auch KI-Tools kommen. Die Firma BuildAI analysiert 50.000 alte Projekte, um vorherzusagen, wie lange eine Renovierung dauert - mit einer Genauigkeit, die bisher unmöglich war. Und bis 2030 werden vorgefertigte Module die Renovierung revolutionieren: Wandelemente, Badezimmerkassetten, Küchenblöcke - alles im Werk, schnell vor Ort montiert. Das könnte die Bauzeit um bis zu 40 % verkürzen.

Aber das ist die Zukunft. Heute zählt noch: Realismus. Planung. Geduld.

Was tun? Ein einfacher Start

Sie wollen renovieren? Dann machen Sie das:

  1. Listen Sie auf: Was soll gemacht werden? (Fenster, Heizung, Boden, Wand, Bad, Küche)
  2. Recherchieren Sie: Wie lange dauert jedes Gewerk? Nutzen Sie die Zahlen aus diesem Text - sie sind aktuell und realistisch.
  3. Berechnen Sie die Abhängigkeiten: Estrich muss trocknen, bevor der Boden kommt. Heizung muss installiert sein, bevor die Wandverkleidung kommt.
  4. Rechnen Sie 15 % Puffer dazu - und schreiben Sie das als festen Teil Ihres Plans.
  5. Buchen Sie die Handwerker - nicht wenn Sie wollen, sondern wenn sie verfügbar sind. Und warten Sie nicht auf „den perfekten Termin“.
  6. Verwenden Sie eine App - oder ein einfaches Excel-Dokument. Aber halten Sie es aktuell. Jede Verschiebung muss sofort eingetragen werden.

Renovieren ist kein Sport, bei dem man schneller sein muss. Es ist ein Projekt, bei dem man klüger sein muss. Wer realistisch plant, spart nicht nur Zeit. Er spart Nerven. Und er bekommt ein Zuhause, das nicht nach Stress riecht, sondern nach Ruhe.

Wie viel Zeit sollte ich für die Vorbereitungsphase einplanen?

Mindestens vier bis acht Wochen. In dieser Zeit müssen Sie Zustandsanalyse, Angebote einholen, Genehmigungen beantragen, Handwerker buchen und Material bestellen. In Ballungsräumen können Sie mit einer Wartezeit von bis zu sechs Wochen auf einen Fachhandwerker rechnen - das muss in Ihrer Planung stehen.

Warum dauert eine Renovierung oft länger als geplant?

Weil die meisten Menschen Trocknungszeiten, Lieferverzögerungen, Wartezeiten auf Handwerker und unvorhergesehene Schäden unterschätzen. Ein Estrich braucht bis zu 50 Tage zum Trocknen, ein Fenster kann drei Wochen auf Lieferung warten, und ein Handwerker ist oft vier Wochen im Voraus ausgebucht. Ohne Puffer bricht der Plan zusammen.

Brauche ich eine App für die Planung?

Nein, aber sie hilft. Apps wie PlanRadar oder RenovateEasy erhöhen die Termintreue um 22 %. Doch sie funktionieren nur, wenn Sie die Daten richtig eingeben - besonders die Wartezeiten und Trocknungszeiten. Eine einfache Excel-Tabelle mit Spalten für Aufgabe, Dauer, Abhängigkeiten und Puffer reicht auch - wenn Sie sie konsequent führen.

Was ist ein realistischer Zeitpuffer für eine Renovierung?

15 % der Gesamtzeit. Studien zeigen, dass Projekte mit diesem Puffer eine Termintreue von über 89 % erreichen. Ohne Puffer sinkt die Quote auf unter 70 %. Das bedeutet: Wenn Sie mit sechs Monaten rechnen, planen Sie sieben Monate und drei Wochen ein. Der Puffer ist kein Luxus - er ist die Versicherung gegen Chaos.

Kann ich eine Renovierung selbst planen, ohne Profi?

Ja - aber nur, wenn Sie sich die Zeit nehmen, die richtigen Informationen zu sammeln. Grundkenntnisse über Bauprozesse, Terminkoordination und Budgetplanung sind nötig. Kostenlose Beratung über das Programm „Sanieren mit Plan“ kann helfen. Wer nur auf YouTube-Tipps vertraut, läuft Gefahr, wichtige Schritte zu übersehen - besonders Trocknungszeiten und Gewerkreihenfolge.