Was du als Laie bei Elektrik und Sanitär selbst machen darfst, ist nicht immer klar. Viele denken: Steckdose austauschen? Kein Problem. Aber das ist in Deutschland illegal - und gefährlich. Die Grenzen zwischen erlaubten und verbotenen Arbeiten sind scharf gezogen, und wer sie überschreitet, setzt nicht nur sein Leben aufs Spiel, sondern auch seine Versicherung. In diesem Artikel klären wir auf, was du wirklich tun darfst - und was du lieber einem Profi überlässt.
Die Regeln für elektrische Arbeiten in Deutschland sind streng, aber klar. Die rechtliche Grundlage ist die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), die seit 2020 in ihrer aktuellen Fassung gilt. Danach ist nur eine einzige Sache erlaubt: Der Austausch von Leuchtmitteln. Ja, wirklich. Wenn eine Glühbirne durchgebrannt ist, darfst du sie selbst raus- und wieder reinschrauben. Egal ob im Bad, in der Küche oder im Keller. Keine Ausnahme.
Darüber hinaus ist der Austausch von durchgebrannten Sicherungen im Zählerschrank erlaubt - aber nur unter einer Bedingung: Du musst eindeutig erkennen können, welche Sicherung defekt ist. Kein Ratespiel. Kein Herumprobieren. Wenn du nicht weißt, welcher Schalter für welchen Kreis zuständig ist, dann lass es. Die NAV §13 Abs. 2 Satz 4 erlaubt diesen Austausch, weil er keine Veränderung der Anlage darstellt. Du ersetzt nur ein Bauteil, das dafür vorgesehen ist.
Ein weiterer erlaubter Schritt: Anschließen von nicht ortsfesten Geräten. Dein Staubsauger, dein Toaster, dein Ladegerät - du darfst sie in eine Steckdose stecken. Das ist selbstverständlich. Aber: Keine Verlängerungskabel mit mehreren Steckdosen, die du an der Wand befestigst. Keine fest verdrahteten Ladestationen für dein E-Bike. Das ist alles verboten.
Was du vorbereiten darfst: Leerrohre stemmen. Du kannst in der Wand oder Decke Schlitze für Kabelrohre anbringen - aber nur, wenn ein Elektriker danach die Kabel einzieht und die Anschlüsse macht. Das ist ein klassischer DIY-Zwischenschritt. Viele Handwerker akzeptieren das, weil es ihre Arbeitszeit reduziert. Aber: Der eigentliche Anschluss, die Verkabelung, die Prüfung - das bleibt dem Fachmann vorbehalten.
Die Liste der verbotenen Arbeiten ist lang - und jeder Punkt kann lebensgefährlich sein. Hier sind die wichtigsten:
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 15.000 Bußgeldverfahren wegen unsachgemäßer Elektroinstallationen eingeleitet. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele Fälle bleiben unbemerkt - bis es zu einem Brand kommt.
Sanitär ist etwas weniger streng als Elektrik - aber auch hier gibt es klare Grenzen. Du darfst:
Die wichtigste Regel: Keine Veränderung an den festen Rohrleitungen. Das bedeutet: Du darfst keine neuen Abwasserleitungen verlegen, keine neuen Wasseranschlüsse bohren, keine neuen Ventile einbauen. Alles, was mit dem Hauswasser- oder Abwassernetz verbunden ist, ist Sache eines Fachmanns.
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) warnt: Bei Sanitärarbeiten, die nicht fachgerecht ausgeführt werden, greift die Wohngebäudeversicherung nicht. Das bedeutet: Wenn dein selbst verlegter Abfluss einen Wasserschaden verursacht, zahlst du selbst - und zwar für den ganzen Schaden.
Warum verbietet Deutschland so viele Arbeiten, die andere Länder erlauben? Die Antwort liegt in den Zahlen. Im Jahr 2010 starben in Deutschland 87 Menschen durch Stromunfälle. Im Jahr 2022 waren es nur noch 42. Ein Rückgang von über 50 Prozent. In Spanien stieg die Zahl im selben Zeitraum von 38 auf 51. Warum? Weil Deutschland strenge Regeln hat.
Die VDE hat in mehreren Brandversuchen nachgewiesen: Ein falsch verlegtes Kabel kann 72 Stunden lang schwelen, bevor es zu einem Feuer kommt. Kein Rauchmelder reagiert rechtzeitig. Kein Mensch merkt es. Und wenn es dann brennt, ist die Versicherung nicht zuständig - denn du hast gegen die NAV verstoßen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Mann aus Stuttgart hat in seiner Garage eine Steckdose selbst eingebaut. Die Sicherung war mit 16 Ampere gesichert - aber für Außenbereiche ist nur 10 Ampere erlaubt. Drei Wochen später fing die Wand an zu qualmen. Der Elektriker fand eine verkohlte Leitung. Die Reparatur kostete 380 Euro. Der Brandschaden an der Wand: 120 Euro. Und die Versicherung zahlte nichts. Warum? Weil er selbst gebaut hat.
Immer mehr Leute wollen ihre Wohnung smart machen. Aber: Auch hier gilt die gleiche Regel. Du darfst keine Smart-Steckdose selbst in die Wand einbauen. Selbst wenn sie „einfach“ über USB läuft - der Anschluss an die Hausleitung ist verboten. Die NAV regelt das explizit. Die Bundesnetzagentur hat 2024 eine Aufklärungskampagne gestartet: „Strom sicher“. Sie zeigt in Videos, wie falsch viele Leute denken. 62 Prozent der Befragten waren unsicher - das ist zu viel.
Wenn du eine Steckdose selbst einbaust und es auffällt - du bekommst ein Bußgeld. Wenn es zu einem Schaden kommt - du zahlst. Wenn es zu einem Brand kommt - du haftest. Und wenn du die Wohnung verkaufst - ein Prüfbericht des Elektrofachmanns ist Pflicht. Wenn da steht: „Nicht fachgerecht verlegt“, dann sinkt der Wert deiner Immobilie. Und du musst alles nachbessern - auf eigene Kosten.
Wenn du nicht sicher bist: Frage einen Elektriker. Viele bieten kostenlose Erstberatungen an. Du kannst auch beim örtlichen Handwerksverband nachfragen. Die ZVEH hat eine Liste mit Fragen, die du vorher stellen solltest: „Ist das eine Austausch- oder eine Installationsarbeit?“, „Wird dabei die Leitung verändert?“, „Wird der Hausübergabepunkt berührt?“
Und wenn du wirklich selbst etwas tun willst: Nutze die erlaubten Möglichkeiten. Wechsle die Lampe. Wechsle die Sicherung. Reinige den Abfluss. Das ist genug. Und es ist sicher.
Deine Sicherheit ist kein Luxus. Sie ist Pflicht. Und sie kostet nichts - wenn du sie nicht selbst riskierst.
Nein. Der Einbau oder Austausch von Steckdosen und Schaltern ist in Deutschland streng verboten. Nur zertifizierte Elektrofachkräfte dürfen Arbeiten an ortsfesten elektrischen Anlagen durchführen. Selbst wenn du den Strom abstellst, verletzt du die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Ein falsch angeschlossener Anschluss kann zu Brandgefahr führen und die Versicherung ungültig machen.
Ja. Der Austausch von Leuchtmitteln in bereits installierten Lampen ist die einzige erlaubte Elektroarbeit für Laien. Das gilt für alle Räume - auch im Bad. Du darfst nur die Lampe aus- und einschrauben, nicht aber die Halterung, den Schalter oder die Leitung verändern.
Ja, aber nur, wenn du eindeutig erkennen kannst, welche Sicherung defekt ist. Du darfst nur die Sicherung austauschen - nicht die Halterung, nicht den Schalter, nicht die Leitung. Wenn du unsicher bist, lass es. Ein falscher Eingriff kann die gesamte Hausinstallation beschädigen.
Nein. Der Einbau einer neuen Dusche oder Badewanne erfordert Veränderungen an den Abwasser- und Wasserleitungen. Das ist eine Installation, die nur von einem zugelassenen Sanitär- und Heizungsinstallateur durchgeführt werden darf. Eine falsche Abdichtung kann zu massiven Schimmel- und Wasserschäden führen - und die Versicherung zahlt nicht.
Wenn du eine selbst durchgeführte Elektroinstallation auffällst - etwa bei einer Hausübergabe oder Versicherungsprüfung - musst du sie auf eigene Kosten von einem Fachmann nachbessern lassen. Du riskierst ein Bußgeld, eine Nicht-Versicherung bei Schäden und im schlimmsten Fall eine strafrechtliche Haftung, wenn jemand verletzt wird. Die Bundesnetzagentur prüft seit 2024 systematisch alle Anlagen hinter der Hausanschlusssicherung.
Ja. Du darfst Schlitze in Wänden oder Decken stemmen, um Leerrohre für Kabel vorzubereiten. Aber: Der anschließende Kabelzug, die Verkabelung und der Anschluss müssen von einem Elektriker durchgeführt werden. Das ist eine erlaubte Vorbereitung - aber keine Ersatzinstallation.