Grenzen der DIY-Elektrik und -Sanitär: Was in Deutschland erlaubt ist
13/02
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Was du als Laie bei Elektrik und Sanitär selbst machen darfst, ist nicht immer klar. Viele denken: Steckdose austauschen? Kein Problem. Aber das ist in Deutschland illegal - und gefährlich. Die Grenzen zwischen erlaubten und verbotenen Arbeiten sind scharf gezogen, und wer sie überschreitet, setzt nicht nur sein Leben aufs Spiel, sondern auch seine Versicherung. In diesem Artikel klären wir auf, was du wirklich tun darfst - und was du lieber einem Profi überlässt.

Was du bei Elektrik selbst machen darfst

Die Regeln für elektrische Arbeiten in Deutschland sind streng, aber klar. Die rechtliche Grundlage ist die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), die seit 2020 in ihrer aktuellen Fassung gilt. Danach ist nur eine einzige Sache erlaubt: Der Austausch von Leuchtmitteln. Ja, wirklich. Wenn eine Glühbirne durchgebrannt ist, darfst du sie selbst raus- und wieder reinschrauben. Egal ob im Bad, in der Küche oder im Keller. Keine Ausnahme.

Darüber hinaus ist der Austausch von durchgebrannten Sicherungen im Zählerschrank erlaubt - aber nur unter einer Bedingung: Du musst eindeutig erkennen können, welche Sicherung defekt ist. Kein Ratespiel. Kein Herumprobieren. Wenn du nicht weißt, welcher Schalter für welchen Kreis zuständig ist, dann lass es. Die NAV §13 Abs. 2 Satz 4 erlaubt diesen Austausch, weil er keine Veränderung der Anlage darstellt. Du ersetzt nur ein Bauteil, das dafür vorgesehen ist.

Ein weiterer erlaubter Schritt: Anschließen von nicht ortsfesten Geräten. Dein Staubsauger, dein Toaster, dein Ladegerät - du darfst sie in eine Steckdose stecken. Das ist selbstverständlich. Aber: Keine Verlängerungskabel mit mehreren Steckdosen, die du an der Wand befestigst. Keine fest verdrahteten Ladestationen für dein E-Bike. Das ist alles verboten.

Was du vorbereiten darfst: Leerrohre stemmen. Du kannst in der Wand oder Decke Schlitze für Kabelrohre anbringen - aber nur, wenn ein Elektriker danach die Kabel einzieht und die Anschlüsse macht. Das ist ein klassischer DIY-Zwischenschritt. Viele Handwerker akzeptieren das, weil es ihre Arbeitszeit reduziert. Aber: Der eigentliche Anschluss, die Verkabelung, die Prüfung - das bleibt dem Fachmann vorbehalten.

Was du bei Elektrik niemals selbst machen darfst

Die Liste der verbotenen Arbeiten ist lang - und jeder Punkt kann lebensgefährlich sein. Hier sind die wichtigsten:

  • Steckdosen oder Schalter einbauen oder austauschen - egal ob neu oder alt. Selbst wenn du den Strom abgestellt hast, ist das Verlegen von Kabeln und das Anschließen an die Leitung nicht erlaubt. Die DIN 18015-3 schreibt vor, dass Leitungen nur in festgelegten Zonen verlegt werden dürfen - und das kann nur ein Fachmann sicherstellen.
  • Lampen oder Leuchten an der Decke anschließen - selbst wenn du die alte Lampe einfach abhängst und die neue aufhängst: Der elektrische Anschluss am Kabelbaum ist verboten. Das ist kein Lichtwechsel, das ist eine Installation.
  • Kabel verlegen - egal ob in der Wand, unter dem Fußboden oder im Dachboden. Jede neue Leitung, jede Verlängerung, jede Umverlegung bedarf einer Genehmigung und muss von einem zugelassenen Installateur ausgeführt werden.
  • Sicherungshalter austauschen - das ist kein Austausch wie bei einer Sicherung. Das ist ein Eingriff in die Verteilungseinrichtung. Das ist ein Verstoß gegen §34c Gewerbeordnung und kann zu Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro führen.
  • Schaltkästen öffnen - auch wenn du nur einen Schalter umdrehen willst. Der Hausübergabepunkt ist der Punkt, ab dem du keine Rechte mehr hast. Alles dahinter ist nur für zertifizierte Handwerker.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 15.000 Bußgeldverfahren wegen unsachgemäßer Elektroinstallationen eingeleitet. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele Fälle bleiben unbemerkt - bis es zu einem Brand kommt.

Was du bei Sanitär selbst machen darfst

Sanitär ist etwas weniger streng als Elektrik - aber auch hier gibt es klare Grenzen. Du darfst:

  • Duschköpfe, Armaturen und Wasserhähne austauschen, wenn sie mit Schrauben oder Schnellverschlüssen befestigt sind. Keine Veränderung der Rohrleitungen.
  • WC-Sitz und -deckel wechseln. Das ist trivial, aber wichtig: Kein Anschluss an die Abwasserleitung.
  • Waschbecken, Spüle oder Waschmaschine anschließen, wenn du nur die flexiblen Anschlussleitungen wechselst - also die Schläuche, die von der Maschine zur Wand führen. Du darfst sie nicht verlängern, nicht verlegen, nicht verkleben.
  • Abflüsse reinigen - mit der Hand, mit einem Abflussreiniger oder mit einer mechanischen Schnecke. Das ist Reinigung, keine Installation.

Die wichtigste Regel: Keine Veränderung an den festen Rohrleitungen. Das bedeutet: Du darfst keine neuen Abwasserleitungen verlegen, keine neuen Wasseranschlüsse bohren, keine neuen Ventile einbauen. Alles, was mit dem Hauswasser- oder Abwassernetz verbunden ist, ist Sache eines Fachmanns.

Heimwerker stemmt Leerrohrkanäle in der Wand, Elektriker hält Kabel bereit.

Was du bei Sanitär niemals selbst machen darfst

  • Neue Dusche oder Badewanne einbauen - auch wenn sie „einfach“ ist. Die Abflussneigung, die Abdichtung, die Verbindung zum Abwasser - das alles muss nach DIN 1986-100 und DIN 18015-1 erfolgen. Eine falsche Abdichtung im Bad führt zu Schimmel - und das kann den gesamten Bodenaufbau zerstören.
  • Neue Wasserleitungen verlegen - egal ob aus Kupfer, PE-X oder PEX. Jede neue Leitung muss geprüft und dokumentiert werden. Das ist kein Heimwerken, das ist ein Bauvorhaben.
  • Heizkörper umstellen - das ist kein Austausch, das ist eine Veränderung des Heizkreises. Das beeinflusst den gesamten hydraulischen Abgleich und kann zu Schäden an der Heizungsanlage führen.
  • Abwasserrohre verlängern oder umleiten - das ist streng verboten. Selbst wenn du den Abfluss nur ein paar Zentimeter verschiebst, verletzt du die Gefällevorschriften. Das führt zu Rückstau, Geruch und Schäden an Nachbarn.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) warnt: Bei Sanitärarbeiten, die nicht fachgerecht ausgeführt werden, greift die Wohngebäudeversicherung nicht. Das bedeutet: Wenn dein selbst verlegter Abfluss einen Wasserschaden verursacht, zahlst du selbst - und zwar für den ganzen Schaden.

Warum ist das so streng?

Warum verbietet Deutschland so viele Arbeiten, die andere Länder erlauben? Die Antwort liegt in den Zahlen. Im Jahr 2010 starben in Deutschland 87 Menschen durch Stromunfälle. Im Jahr 2022 waren es nur noch 42. Ein Rückgang von über 50 Prozent. In Spanien stieg die Zahl im selben Zeitraum von 38 auf 51. Warum? Weil Deutschland strenge Regeln hat.

Die VDE hat in mehreren Brandversuchen nachgewiesen: Ein falsch verlegtes Kabel kann 72 Stunden lang schwelen, bevor es zu einem Feuer kommt. Kein Rauchmelder reagiert rechtzeitig. Kein Mensch merkt es. Und wenn es dann brennt, ist die Versicherung nicht zuständig - denn du hast gegen die NAV verstoßen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Mann aus Stuttgart hat in seiner Garage eine Steckdose selbst eingebaut. Die Sicherung war mit 16 Ampere gesichert - aber für Außenbereiche ist nur 10 Ampere erlaubt. Drei Wochen später fing die Wand an zu qualmen. Der Elektriker fand eine verkohlte Leitung. Die Reparatur kostete 380 Euro. Der Brandschaden an der Wand: 120 Euro. Und die Versicherung zahlte nichts. Warum? Weil er selbst gebaut hat.

Linker Teil: verkohlte Wand durch illegalen Steckdosenanschluss, rechter Teil: Elektriker prüft Anlage.

Was ist mit Smart-Home-Steckdosen?

Immer mehr Leute wollen ihre Wohnung smart machen. Aber: Auch hier gilt die gleiche Regel. Du darfst keine Smart-Steckdose selbst in die Wand einbauen. Selbst wenn sie „einfach“ über USB läuft - der Anschluss an die Hausleitung ist verboten. Die NAV regelt das explizit. Die Bundesnetzagentur hat 2024 eine Aufklärungskampagne gestartet: „Strom sicher“. Sie zeigt in Videos, wie falsch viele Leute denken. 62 Prozent der Befragten waren unsicher - das ist zu viel.

Was passiert, wenn du es trotzdem machst?

Wenn du eine Steckdose selbst einbaust und es auffällt - du bekommst ein Bußgeld. Wenn es zu einem Schaden kommt - du zahlst. Wenn es zu einem Brand kommt - du haftest. Und wenn du die Wohnung verkaufst - ein Prüfbericht des Elektrofachmanns ist Pflicht. Wenn da steht: „Nicht fachgerecht verlegt“, dann sinkt der Wert deiner Immobilie. Und du musst alles nachbessern - auf eigene Kosten.

Was kannst du tun, wenn du unsicher bist?

Wenn du nicht sicher bist: Frage einen Elektriker. Viele bieten kostenlose Erstberatungen an. Du kannst auch beim örtlichen Handwerksverband nachfragen. Die ZVEH hat eine Liste mit Fragen, die du vorher stellen solltest: „Ist das eine Austausch- oder eine Installationsarbeit?“, „Wird dabei die Leitung verändert?“, „Wird der Hausübergabepunkt berührt?“

Und wenn du wirklich selbst etwas tun willst: Nutze die erlaubten Möglichkeiten. Wechsle die Lampe. Wechsle die Sicherung. Reinige den Abfluss. Das ist genug. Und es ist sicher.

Deine Sicherheit ist kein Luxus. Sie ist Pflicht. Und sie kostet nichts - wenn du sie nicht selbst riskierst.

Darf ich eine Steckdose selbst einbauen?

Nein. Der Einbau oder Austausch von Steckdosen und Schaltern ist in Deutschland streng verboten. Nur zertifizierte Elektrofachkräfte dürfen Arbeiten an ortsfesten elektrischen Anlagen durchführen. Selbst wenn du den Strom abstellst, verletzt du die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Ein falsch angeschlossener Anschluss kann zu Brandgefahr führen und die Versicherung ungültig machen.

Darf ich eine Glühbirne selbst wechseln?

Ja. Der Austausch von Leuchtmitteln in bereits installierten Lampen ist die einzige erlaubte Elektroarbeit für Laien. Das gilt für alle Räume - auch im Bad. Du darfst nur die Lampe aus- und einschrauben, nicht aber die Halterung, den Schalter oder die Leitung verändern.

Darf ich eine Sicherung im Zählerschrank selbst wechseln?

Ja, aber nur, wenn du eindeutig erkennen kannst, welche Sicherung defekt ist. Du darfst nur die Sicherung austauschen - nicht die Halterung, nicht den Schalter, nicht die Leitung. Wenn du unsicher bist, lass es. Ein falscher Eingriff kann die gesamte Hausinstallation beschädigen.

Darf ich eine Dusche selbst einbauen?

Nein. Der Einbau einer neuen Dusche oder Badewanne erfordert Veränderungen an den Abwasser- und Wasserleitungen. Das ist eine Installation, die nur von einem zugelassenen Sanitär- und Heizungsinstallateur durchgeführt werden darf. Eine falsche Abdichtung kann zu massiven Schimmel- und Wasserschäden führen - und die Versicherung zahlt nicht.

Was passiert, wenn ich eine DIY-Elektroinstallation mache und es später auffällt?

Wenn du eine selbst durchgeführte Elektroinstallation auffällst - etwa bei einer Hausübergabe oder Versicherungsprüfung - musst du sie auf eigene Kosten von einem Fachmann nachbessern lassen. Du riskierst ein Bußgeld, eine Nicht-Versicherung bei Schäden und im schlimmsten Fall eine strafrechtliche Haftung, wenn jemand verletzt wird. Die Bundesnetzagentur prüft seit 2024 systematisch alle Anlagen hinter der Hausanschlusssicherung.

Kann ich Leerrohre für Kabel selbst stemmen?

Ja. Du darfst Schlitze in Wänden oder Decken stemmen, um Leerrohre für Kabel vorzubereiten. Aber: Der anschließende Kabelzug, die Verkabelung und der Anschluss müssen von einem Elektriker durchgeführt werden. Das ist eine erlaubte Vorbereitung - aber keine Ersatzinstallation.