Wenn du dein Haus neu baut oder sanierst, ist die Wasserleitung nicht nur eine technische Pflicht - sie ist die unsichtbare Lebensader deiner Wohnung. Ein falsch verlegtes Rohr kann nach Jahren zu Schimmel, hohen Wassereinheiten oder sogar einem vollständigen Wasserschaden führen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Planung und einem klaren Verständnis der Regeln lässt sich das fast vollständig vermeiden. In Deutschland gilt seit März 2022 die aktualisierte DVGW-Arbeitsblatt W 557 als Maßstab. Sie legt fest, wie Trinkwasser sicher, hygienisch und effizient durch dein Haus fließen muss - ohne dass du später den Putz aufbrechen musst.

Warum Planung mehr ist als nur Rohre verlegen

Viele Heimwerker denken, dass Wasserleitungen einfach nur von der Zentrale zum Waschbecken führen. Das ist ein fataler Irrtum. Die Planung entscheidet darüber, ob du morgen schon warmes Wasser hast, ob das Kaltwasser in der Dusche plötzlich lauwarm wird, oder ob dein Wasserzähler im Sommer unerklärlich hoch läuft. Laut Dipl.-Ing. Thomas Müller vom DVGW verursachen 78 % aller Wasserschäden in Wohngebäuden fehlerhafte Planungen - nicht schlechte Materialien oder mangelnde Montage. Das bedeutet: Wenn du die ersten drei Tage nicht richtig planst, kostet dich das später zehnmal mehr Zeit und Geld.

Ein guter Plan enthält:

  • Alle Entnahmestellen: Waschbecken, Dusche, WC, Spülmaschine, Waschmaschine, Küche
  • Den genauen Verlauf der Haupt- und Anschlussleitungen
  • Den Ort der Etagenverteiler (Verteiler für jede Etage)
  • Die Rohrdurchmesser für jede Leitung
  • Einen Verschnitt von 10-15 % für Rohre, um Überraschungen zu vermeiden

Du brauchst keinen Architekten dafür. Ein einfacher Grundriss mit Maßen, ein Lineal und ein Stift reichen. Zeichne die Leitungen als gerade Linien - möglichst senkrecht zu Wänden und Decken. Kurven, Bögen und Umwege erhöhen den Druckverlust und den Wasserverbrauch um bis zu 15 %. Das ist nicht nur teuer, sondern auch unnötig.

Wie verlegst du Wasserleitungen richtig - die drei Methoden

Es gibt drei Hauptmethoden, wie Wasserleitungen in Wänden, Decken oder Böden verlegt werden. Jede hat Vor- und Nachteile - und nur eine passt zu deinem Projekt.

Aufputz-Installation: Schnell, sichtbar, reparierbar

Bei der Aufputz-Installation werden die Rohre mit Rohrschellen an der Wand befestigt. Kein Stemmen, kein Staub, keine Zerstörung. Ideal für Sanierungen, wo du nicht den ganzen Putz abreißen willst. Viele Nutzer wählen diese Methode, wenn sie in Altbauten leben oder nur einzelne Räume modernisieren.

Wichtig: Die Rohre müssen alle 80-100 cm mit Rohrschellen fixiert werden. Sonst vibrieren sie bei Wasserfluss und machen Lärm. Auch die Abstände zu anderen Leitungen gelten hier genauso wie bei Unterputz: Warmwasser über Kaltwasser, mindestens 20 cm Abstand zu Abwasserleitungen. Der Nachteil? Die Rohre sind sichtbar. Wer das nicht mag, kann sie mit Holzverkleidungen oder Dekorplatten verstecken - aber nur, wenn du später noch Zugang hast.

Unterputz-Installation: Sauber, aber riskant

Die klassische Methode: Rohre werden in Schlitzen in die Wand oder Decke eingelassen. Das sieht sauber aus - aber nur, wenn alles perfekt ist. Die Schlitze müssen 40-60 mm tief und 30-40 mm breit sein. Dafür brauchst du einen Abbruchhammer oder eine Mauernutfräse. Kein DIY-Werkzeug, das du aus dem Baumarkt leihst. Es erfordert Erfahrung, sonst reißt du die Wand kaputt.

Und hier kommt die große Fallgrube: Der Putz muss mindestens 15 mm dick über den Rohren liegen. Weniger als das, und es entstehen Risse - oft erst nach Monaten, wenn die Wand trocknet und sich bewegt. Die meisten Heimwerker unterschätzen das. Und wenn später ein Leck auftritt? Dann musst du den ganzen Putz abbrechen, um das Rohr zu finden. Und das kostet mehr als die gesamte Installation.

Vorwand-Installation: Die Zukunft der Wasserleitung

Seit 2023 steigt die Vorwand-Installation rasant. Sie funktioniert so: Ein Metallständerwerk wird hinter einer Wandverkleidung montiert. Die Rohre laufen darin - frei zugänglich. Kein Stemmen, kein Verputzen, keine Überraschungen. Du kannst jederzeit ein Ventil austauschen, ein Rohr erweitern oder eine neue Dusche anschließen - ohne die Wand zu beschädigen.

Die TU München prognostiziert bis 2027 eine Verdopplung dieser Methode. Warum? Weil sie wartungsfreundlich ist, Platz spart und sich ideal für moderne Badezimmer mit Einbauwanne oder Fußbodenheizung eignet. Die Verkleidung kann aus Gipskarton, Holz oder Kunststoff bestehen - und du kannst sie später leicht abmontieren. Für Neubauten oder umfassende Sanierungen ist sie die klügste Wahl.

Abstände und Regeln: Was du nicht ignorieren darfst

Die DVGW-Arbeitsblatt W 557:2022-03 ist kein Vorschlag - sie ist Gesetz. Wer sie missachtet, riskiert nicht nur Schäden, sondern auch die Versicherung. Die GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) schreibt klar: Bei Verstößen gegen die Trinkwasser-Regeln entfällt die Deckung bei Wasserschäden.

Du musst also diese Abstände einhalten:

  • Kaltwasser über Abwasser: Mindestens 20 cm Abstand, wenn beide waagerecht verlegt werden.
  • Erdverlegung: Mindestens 1,00 m Abstand zu Abwasserleitungen. Und: Trinkwasser darf nicht tiefer liegen als Abwasser - sonst kann Schmutzwasser in das Trinkwasser eindringen.
  • Warm- und Kaltwasser: Warmwasserleitungen müssen immer über Kaltwasserleitungen verlegt werden. So vermeidest du, dass die Wärme das Kaltwasser aufwärmt - was nicht nur unangenehm ist, sondern auch die Gefahr von Legionellen erhöht.
  • Metallrohre: Sie müssen elektrisch geerdet sein, laut VDE 0100-701:2018. Sonst entsteht elektrolytische Korrosion - das Rohr frisst sich von innen auf.

Und das ist nur ein Teil. Insgesamt definiert die DVGW zehn kritische Abstände - von der Nähe zu Heizkörpern bis zur Entfernung von Gasleitungen. Eine Liste davon findest du im DVGW-Handbuch. Wer sie nicht kennt, spielt mit Feuer.

Vorwand-Installation mit freiliegenden Wasserleitungen hinter einer abnehmbaren Wandverkleidung.

Material, Durchmesser und Werkzeuge: Was du brauchst

Nicht jedes Rohr ist gleich. In Deutschland werden vor allem Kunststoffrohre (PEX, PB, PP) verwendet - sie sind flexibel, korrosionsfrei und leicht zu verarbeiten. Kupfer ist noch vorhanden, aber teurer und anfälliger für Korrosion, wenn es nicht richtig geerdet ist. Seit 2023 gibt es Kupferrohre mit antimikrobieller Beschichtung - sie reduzieren Biofilme um 63 %, aber sie erfordern strengere Erdung.

Die Durchmesser sind standardisiert:

  • Hauptleitungen: 20-25 mm - führen vom Wasserzähler zu den Etagenverteiler
  • Anschlussleitungen: 12-16 mm - führen vom Verteiler zu den Entnahmestellen

Werkzeuge? Du brauchst:

  • Einen Rohrschneider oder eine Metallsäge - für saubere Schnitte
  • Eine Fitting-Zange - für Press- oder Steckverbindungen
  • Einen Abstandshalter - um die 15-20 cm Abstand zwischen Absperrventilen einzuhalten
  • Eine Druckprüfvorrichtung - für die wichtigste Prüfung überhaupt

Ein häufiger Fehler: Die Rohrenden werden nicht sauber abgefasst. Schneidefehler von mehr als 2 mm reichen aus, um eine Undichtigkeit zu verursachen. Laut haus.de fallen 65 % der selbst installierten Leitungen bei der ersten Druckprüfung durch - nur weil die Enden nicht perfekt sitzen.

Die Druckprüfung: Dein letzter Schutz

Bevor du irgendetwas verputzt, verkleidest oder verschließt - musst du prüfen. Die DVGW-Vorschrift W 551:2022 verlangt eine Druckprüfung mit mindestens 1,5-fachem Betriebsdruck. Das bedeutet: Bei einem normalen Haus mit 8 bar Betriebsdruck musst du 12 bar aufbauen. Und das für mindestens 30 Minuten.

Was passiert, wenn der Druck fällt? Dann hast du ein Leck. Du musst es finden - und das ist nur möglich, wenn die Leitungen noch zugänglich sind. Kein Putz, keine Verkleidung, keine Täfelung. Die Druckprüfung ist der letzte Moment, in dem du alles kontrollieren kannst. Danach ist es zu spät. Und wenn du das nicht machst? Dann riskierst du nicht nur Schäden - du verlierst auch deine Versicherung.

Querschnitt einer Wand mit Unterputz-Rohren und unzureichendem Putz, der Risse zeigt.

Der Anschluss an den Wasserzähler: Nur für Profis

Hier darfst du nicht selbst machen. Der Anschluss an den Wasserzähler ist ein gesetzlich geschützter Vorgang. Nur ein zertifizierter Fachbetrieb mit DVGW-Zulassung darf ihn vornehmen. Warum? Weil er den gesamten Druck des öffentlichen Wassernetzes auf dein Haus überträgt. Ein falscher Anschluss kann das ganze Haus beschädigen - oder sogar die Nachbarn beeinträchtigen.

Dein Job endet beim Verteiler. Von da an darfst du selbst verlegen - aber nur, wenn du alle Regeln kennst. Der Fachbetrieb prüft dann den Anschluss, dokumentiert ihn und gibt dir eine Bescheinigung. Diese musst du aufbewahren - mindestens 30 Jahre. Die Trinkwasserverordnung schreibt das vor. Und wenn du später verkaufst? Ohne diese Unterlagen ist dein Haus schwerer zu verkaufen - und vielleicht sogar weniger wert.

Was kommt als Nächstes? Digitalisierung und Zukunft

Seit 2023 bieten Hersteller wie Viega und Geberit Software an, die den Verlauf der Wasserleitungen automatisch berechnen. Du gibst die Räume ein, die Entnahmestellen, die Wandstärken - und die Software zeigt dir den optimalen Weg. Sie berechnet auch, wie viele Rohre du brauchst, welche Fittings und wo du Ventile platzierst. Das spart Zeit, Geld und Fehler.

Und die Zukunft? Die Vorwand-Installation wird die Standardmethode. Sie ist flexibel, wartungsfreundlich und passt perfekt zu modernen Bauweisen. Die Unterputz-Methode wird bis 2030 auf unter 40 % Marktanteil sinken. Warum? Weil sie zu teuer wird, wenn man die Reparaturkosten mitrechnet.

Die wichtigste Lektion: Wasserleitungen sind kein DIY-Projekt für den Samstag. Sie sind ein System - und wie jedes System funktioniert es nur, wenn alle Teile zusammenpassen. Planst du sorgfältig, hältst du dich an die Regeln und lässt du den Anschluss an den Zähler von einem Profi machen - dann hast du ein System, das 50 Jahre hält. Ohne Schäden. Ohne Stress. Ohne Überraschungen.

Kommentare (1)

Kaja St
  • Kaja St
  • Januar 30, 2026 AT 14:55

Ich hab letztes Jahr meine Badezimmerrenovierung selbst gemacht und die Vorwand-Installation genutzt. Total genial, weil ich später noch eine zweite Dusche nachgerüstet hab, ohne die Wand aufzumachen. Kein Staub, kein Chaos. Und die Rohre sind immer sichtbar – perfekt für Kontrollen. 😊

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