Mietnomaden in Wohnimmobilien: Wie Sie Betrug verhindern und rechtlich vorgehen
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Was sind Mietnomaden wirklich?

Ein Mietnomade ist kein gewöhnlicher Mieter, der mal eine Miete verspätet zahlt. Es ist jemand, der von Anfang an plant, nicht zu zahlen. Er unterschreibt den Mietvertrag, zieht ein, und dann verschwindet die Miete - ebenso wie oft die Einbauküche, die Fliesen oder sogar die Heizung. Diese Leute nutzen das deutsche Mietrecht aus, weil sie wissen: Die Räumung dauert Monate, und viele Vermieter geben auf, bevor es soweit ist.

Die Zahlen sind schwer zu greifen, aber die Erfahrungen der Betroffenen sind deutlich. Während der Mieterbund von etwa 1.000 Fällen pro Jahr spricht, gehen Immobilienverbände von bis zu 15.000 aus. Der Unterschied kommt daher, dass viele Fälle nie offiziell gemeldet werden. Wer seine Wohnung nach einem Mietnomaden erst mal wieder bewohnen kann, will das nicht noch mal durchleben - geschweige denn vor Gericht.

Was sie gemeinsam haben: Sie täuschen mit gefälschten Gehaltsnachweisen, Schufa-Auskünften oder Referenzen. Sie erscheinen höflich, sind gut gekleidet und haben oft eine Geschichte parat - etwa, dass sie von Berlin nach Wien ziehen, weil ihr Job sich verlagert hat. Aber sobald sie im Haus sind, hören sie nicht mehr auf die Telefonate, ignorieren Mahnungen und reagieren nicht auf fristlose Kündigungen.

Warum ist das so schwer zu stoppen?

Das deutsche Mietrecht ist gut gemeint - es schützt Mieter vor willkürlichen Kündigungen. Aber genau das nutzen Mietnomaden aus. Der Vermieter darf nicht einfach die Tür zuschließen. Er muss erst kündigen, dann klagen, dann einen Gerichtsvollzieher bestellen, und erst danach darf er die Wohnung räumen. Im Durchschnitt dauert das 9 bis 15 Monate. In dieser Zeit sammelt sich die Miete an - oft 10.000, 15.000 Euro oder mehr. Und während das läuft, wird die Wohnung zerstört.

Ein echter Mieter, der in finanzielle Schwierigkeiten gerät, kann oft mit einem Gespräch helfen. Ratenzahlung, Sozialhilfe, Vermittlung - das funktioniert. Ein Mietnomade dagegen hat kein Interesse an einer Lösung. Er will nur Zeit gewinnen, bis er weiterzieht - mit dem Geld, das er nicht gezahlt hat, und mit den Sachen, die er aus der Wohnung mitgenommen hat.

Die Rechtslage ist klar: Wer mit falschen Unterlagen einen Mietvertrag abschließt, begeht Eingehungsbetrug nach § 263 StGB. Das kann bis zu fünf Jahre Gefängnis bedeuten. Aber: Wer verklagt schon einen Menschen, der nicht mehr in der Stadt ist? Wer beweist, dass er von Anfang an gelogen hat? Das ist das Problem.

Wie erkennt man einen Mietnomaden vor dem Einzug?

Es gibt Warnsignale - wenn man weiß, worauf man achten muss. Hier sind die fünf wichtigsten:

  1. Keine Schufa-Einwilligung: Wer sich weigert, eine aktuelle Schufa-Auskunft zu erlauben, hat etwas zu verbergen. Das ist kein Grund, sofort abzulehnen - aber ein starkes Indiz. Frag nach: „Warum nicht?“ Wenn die Antwort vage ist - „Ich hab’ die letzte verloren“ - dann wird’s eng.
  2. Gehaltsnachweise sind zu perfekt: Eine Gehaltsabrechnung aus dem Monat vor dem Gespräch ist kein Beweis. Frag nach: „Können wir drei Abrechnungen der letzten sechs Monate sehen?“ Und prüfe: Sind die Beträge konsistent? Ist der Arbeitgeber wirklich ein echtes Unternehmen? Google den Namen, ruf an. Viele Fälschungen sind leicht zu durchschauen.
  3. Keine vorherigen Vermieter: Er sagt: „Mein letzter Vermieter ist verstorben.“ Oder: „Wir haben privat gemietet, da gab’s keinen Vertrag.“ Das ist kein Beweis für Zuverlässigkeit - das ist eine Lücke. Dringe auf: „Können wir mit ihm sprechen?“ Nicht mit der Referenz, die er mitbringt - mit dem echten Vermieter. Wenn er sich weigert, ist das ein rotes Licht.
  4. Die Miete ist zu hoch: Eine Faustregel: Die Miete sollte nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens betragen. Wenn jemand mit 2.500 Euro Netto eine 1.000-Euro-Wohnung will - dann ist das riskant. Wenn er zusätzlich noch einen Hund, zwei Kinder und eine teure Auto-Leasing-Rate hat, dann ist das ein Warnsignal.
  5. Er will sofort einziehen - ohne Besichtigung: Wer nicht persönlich kommt, sondern nur Fotos schickt oder sich von einem Freund vertreten lässt, ist verdächtig. Ein echter Mieter will die Wohnung sehen. Ein Mietnomade will nur den Schlüssel.
Vermieter prüft gefälschte Unterlagen im Büro unter Lampe.

Was tun, wenn es doch passiert ist?

Schon beim ersten Mahnschreiben solltest du Einschreiben nutzen - nicht per E-Mail, nicht per WhatsApp. Schriftlich, mit Empfangsbestätigung. Und du musst dokumentieren: Fotografiere die Wohnung vor dem Einzug. Mache eine Liste: Was ist da? Was ist fest verbaut? Was ist abnehmbar? Diese Liste brauchst du später, wenn die Küche fehlt.

Wenn die Miete ausbleibt, kündige fristlos nach zwei Monaten - laut § 543 BGB. Aber: Du musst nachweisen, dass du die Miete tatsächlich verlangt hast. Und du musst die Kündigung schriftlich übermitteln. Ein Anwalt hilft hier nicht nur bei der Form - er weiß, wie du die Beweise sammelst, damit der Richter nicht sagt: „Das ist nicht bewiesen.“

Die Räumungsklage dauert lange. Aber du kannst parallel einen Antrag auf vorläufige Vollstreckbarkeit stellen. Das bedeutet: Sobald das Urteil da ist, darf der Gerichtsvollzieher sofort die Wohnung räumen - ohne weitere Wartezeit. Das spart wertvolle Monate.

Und: Melde den Fall bei der Polizei. Eingehungsbetrug ist eine Straftat. Die Polizei nimmt das oft nicht ernst - aber wenn du mehrere Fälle hast oder eine klare Beweislage (gefälschte Unterlagen, Zeugen, Fotos), dann wird es ernst. Und: Jeder Fall, der offiziell gemeldet wird, hilft, das Phänomen sichtbar zu machen.

Wie schützt man sich mit Versicherungen und Dienstleistungen?

Es gibt keine 100%-ige Sicherheit. Wer das verspricht, lügt. Aber es gibt Schutz, der wirklich hilft.

Mietnomadenversicherung: Anbieter wie Allianz oder AXA bieten Versicherungen an, die Mietschulden, Räumungskosten und Renovierungsschäden übernehmen. Die Jahresprämie liegt zwischen 120 und 350 Euro - je nach Wert der Wohnung. Die Deckungssumme ist meist 25.000 Euro, die Selbstbeteiligung bei 10-15%. Das klingt viel, aber wenn du einen Fall hast, der 28.000 Euro kostet - dann hast du 23.000 Euro zurück. Und das ist mehr als die Miete von drei Jahren.

Professionelles Screening: Dienste wie MieterCheck24 oder SecureRent prüfen in 3-5 Tagen: Schufa, Einkommen, Gewerbezentralregister, Vorverträge. Die Kosten: 49 bis 89 Euro. Das ist weniger als eine Miete. Und viele Vermieter, die das gemacht haben, sagen: „Ich hab’s vorher nicht gebraucht. Jetzt kann ich’s nicht mehr missen.“

Ein wichtiger Hinweis: Nutze keine Kleinanzeigenportale wie eBay Kleinanzeigen für die Vermietung. Dort sind die meisten Mietnomaden unterwegs. Nutze professionelle Plattformen wie ImmobilienScout24 oder lokale Vermieterverbände. Laut einer Umfrage des Deutschen Mieterbundes haben 68% der Betroffenen nach einem Vorfall genau das getan - und seitdem keine Probleme mehr.

Schattenfigur verlässt Haus, hinterlässt zerrissene Verträge – ein digitaler Schild schützt den nächsten Mieter.

Was ändert sich in Zukunft?

Seit Januar 2024 testet die Bundesregierung eine zentrale Mieterschutzdatei. Wenn ein Vermieter einen Mietnomaden nachweist - mit Gerichtsurteil, Polizeiakte und Dokumenten - kann er ihn dort eintragen. Andere Vermieter können dann prüfen, ob ein Interessent schon mal aufgefallen ist. Das ist ein großer Schritt. Datenschutz wird diskutiert - aber wenn es funktioniert, könnte es die Zahl der Fälle um 30% senken, wie in den Niederlanden.

Und die Inflation? Sie macht das Problem noch schlimmer. Wer 2023 plötzlich 200 Euro mehr Miete zahlen musste, hat nicht immer die Möglichkeit, das zu stemmen. Einige nutzen das als Ausrede - und greifen zu betrügerischen Mitteln. Die Zahlen steigen: Im Jahr 2023 gab es 12,7% mehr Fälle als im Jahr davor.

Langfristig wird sich das Problem nicht lösen lassen - aber es lässt sich kontrollieren. Wer systematisch vorgeht: prüft, dokumentiert, versichert, meldet - der hat die besten Chancen, nicht zum Opfer zu werden.

Was bleibt?

Die meisten Mieter in Deutschland sind verlässlich. Das ist wichtig zu wissen. Aber die wenigen, die betrügen, verursachen immense Schäden - finanziell, emotional, physisch. Eine Wohnung, die nach einem Mietnomaden nicht mehr bewohnbar ist, ist mehr als ein Gebäude. Es ist ein Zuhause, das zerstört wurde.

Die Lösung liegt nicht in Angst, sondern in Wissen. In Vorsicht. In Dokumentation. In der Bereitschaft, Zeit zu investieren - bevor der Schlüssel übergeben wird. Wer das tut, schützt nicht nur sein Geld. Er schützt seine Ruhe. Und er schützt andere, die nach ihm kommen.

Kommentare (1)

Karoline Kristiansen
  • Karoline Kristiansen
  • Februar 2, 2026 AT 00:05

Also ich hab das mit dem Mietnomaden jetzt schon 3x erlebt... und jedes Mal war die Küche weg. Echt krass, wie die Leute das machen. 🤦‍♀️

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